Bienenfreundlicher Garten: Komm zu uns, Maja!

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Hast Du ihn auch schon gespürt, den „wind of change“, der gerade durch deutsche Gärten weht? Könnte es sein, dass sich da eine kleine Revolution anbahnt? Dass Nachbarn ihr Rennen um den kürzesten Rasen einfach abblasen und künftig um die wildeste Blumenwiese wetteifern? Dass Gartenzwerge mit ihren roten Zipfelmützen einfach von Löwenzahn, Kornblume und Mohn überwuchert werden?
Könnte sein. Verantwortlich für den Bewusstseinswandel, der derzeit in Gesellschaft und Politik stattfindet, ist unsere Biene Maja. Beziehungsweise ihre Not. Denn intensive Landwirtschaft, Pestizide und Flächenverbrauch bringen unsere fleißigen Pollensammlerinnen immer stärker in Bedrängnis. Kürzlich haben allein in Bayern 1,8 Millionen Menschen das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterzeichnet. Stiftungen, Vereine, Supermärkte lancieren Insektenschutz-Kampagnen, Wildblumenmischungen werden zum Verkaufsschlager. 50 Jahre nach den 68ern ist Flower Power zurück. Und das ist einfach toll!

Bienen ein Zuhause geben – aber wie fange ich’s an?

Auch ich möchte mehr Bienen, Hummeln und Schmetterlingen in meinen Garten locken. Also habe ich zunächst mal eine Menge gelesen, mich bei Freunden und Nachbarn umgehört: Der eine Nachbar schwört auf Sommerflieder und Lavendel, der andere auf Steppenkerze und Wollziest, ein dritter auf Beinwell. Um in dem Dschungel an Informationen durchzublicken, hat mir ein Beitrag auf beetfreunde.de geholfen. Und eigentlich ist es gar nicht so schwer, aus dem bisschen Grün vor dem Haus einen Gourmet-Hotspot für Bienen zu machen. 

Mit diesen Tipps schmeckt’s im Gartenrestaurant „Zum Pollen“

● Vielfältige Speisekarte
Honigbienen mögen fast alles, was blüht. Wildbienen sind dagegen oft Feinschmecker. Manche Arten brauchen sogar eine ganz bestimmte Pflanze, um zu überleben. Ein breites Blütenangebot sorgt dafür, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

● Lange Öffnungszeiten
Im bienenfreundlichen Garten gibt es das ganze Jahr über was zu Naschen: Los geht’s mit Krokus und Schneeglöckchen und der Efeu schmeckt noch spät im Herbst. 

● Inhalte statt Optik
Geranien, Edelrosen, Pompon-Dahlien: Gefüllte Blüten sehen zwar nach Haute Cuisine aus. Weil sie aber keinen Nektar produzieren, haben sie für Bienen keinen Nährwert. Beim Blumenkauf Wildformen den veredelten Varianten vorziehen. 

● Gerichte ohne Zusatzstoffe
Eigentlich klar, dass insektenschädliche Pflanzenschutzmittel im Garten nichts zu suchen haben. 

● Mit Übernachtungsangebot punkten
Das kann eine Holzstapel-Pension oder ein Fünf-Sterne-Insektenhotel sein. 

Das wichtigste Erfolgsrezept lautet jedoch: Einfach mal gar nichts tun. Die abgeschnittenen Äste vom Frühjahr in einer Gartenecke liegen lassen. Verblühte Stauden im Herbst stehen lassen. Über Löwenzahn, Gänseblümchen und Klee großzügig hinwegsehen. Im Nichtstun bin ich zum Glück ziemlich gut. Wie das in meinem Gemüsebeet aussieht, zeige ich Dir gerne. 

Laissez-faire im Gemüsebeet

Viele meiner Küchenkräuter sind echte Schlemmereien für Bienen: Salbei, Oregano, wilder Majoran oder Pfefferminz, aber auch Einjährige wie Dill oder Koriander oder Bohnenkraut ziehen Bienen magisch an – vorausgesetzt, sie dürfen auch mal blühen. Deshalb habe ich in meinem Beet eine Art Bienensteuer eingeführt: Ich ernte nicht mehr alles ab, sondern lasse immer ein paar Stängel ausblühen. Das gleiche gilt für manches Gemüse, wie die Artischocken. Die schmecken mir mit Quarkdip, und den Bienen als prächtige lila Blüte. 

Mit der Ringelblume, die sich jedes Jahr in meinem Beet ausbreitet, habe ich einen Deal geschlossen: Dort, wo ich Gemüse pflanzen möchte, muss sie weichen, doch überall sonst darf sie wachsen. Immerhin ist die Ringelblume nicht nur bei Insekten beliebt, sondern steht auch im Ruf, Schnecken und Fadenwürmer zu vertreiben. 

Übernachtung all-inclusive im Insektenhotel

Weil ich trotz allen Nichtstuns nun auch nicht als Faulenzer dastehen möchte, habe ich angefangen, mit meinen Kindern ein Insektenhotel zu bauen. Wie das funktioniert, kannst Du hier nachlesen. Wir haben einfach eine Euro-Palette umgebaut und sind gerade dabei, sie mit verschiedenen Insekten-Appartments für jeden Geschmack auszugestalten. 

Natalie Frank
Natalie Frank ist 1975 geboren und schreibt als freiberufliche Texterin vor allem über Tourismusthemen. Vor Kurzem ist sie mit ihrer Familie in ein kleines Häuschen aufs Land gezogen und will sich jetzt ihren Traum vom eigenen Nutzgarten verwirklichen - gesund, bunt und bio. Doch ob alles so klappt wie geplant? Da steht eine ganze Menge Leidenschaft gegen ein Null an Gärtner-Erfahrung. Auf beetfreunde.de könnt Ihr Natalies Projekt von Beginn an mitverfolgen - und mit dabei sein, wenn im Sommer hoffentlich viel leckeres Obst und Gemüse aus eigenem Anbau geerntet werden.
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