Spitzwegerich – ein spitze Typ am Wegesrand

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Das Faszinierende an der Wildkräuterkunde ist ja das: Sobald du gelernt hast, die wichtigsten Kräuter zu erkennen, begegnest du ihnen auf Schritt und Tritt wieder. Zum Beispiel dem Spitzwegerich. Wen wundert’s auch: Er ist immerhin der „Herrscher des Weges“ – zumindest, wenn man nach seiner althochdeutschen Wortbedeutung geht. 

Du triffst den Spitzwegerich aber längst nicht nur am Wegesrand, sondern auch auf Wiesen und Feldern oder sogar im eigenen Garten. Und weil seine spitz zulaufenden Blätter mit den zumeist fünf Längsrippen unverkennbar sind, kannst du ihn eigentlich gar nicht übersehen. Das ist auch gut so. Denn in dem Kraut steckt jede Menge Heilwirkung: gegen Husten und Bronchitis, Insektenstiche und kleine Wehwehchen. Und in der Küche ist das Wildkraut auch für einige Überraschungen gut. 

Starke Wirkung gegen Husten

Wenn der Hals kratzt und der Hustenreiz Tränen in die Augen treibt, dann entfalten die Inhaltsstoffe der traditionellen Heilpflanze ihre lindernde Kraft. Schleimstoffe legen sich schützend über die Hals- und Rachenschleimhäute. Das tut besonders bei trockenem Husten gut. Parallel dazu bekämpft der sekundäre Pflanzenstoff  Aucubin gegen Entzündungen und Bakterien. Gerbstoffe, Flavonoide, aber auch Kieselsäure, Zink sowie die Vitamine C und B tragen ihren Teil dazu bei, dass hustengeplagte Patienten schnell wieder gesund werden.  

In der Apotheke sind zahlreiche Hustensäfte mit Spitzwegerich-Extrakten erhältlich. Du kannst aber auch deinen eigenen Hustensirup herstellen. Der wirkt ebenso und hat den Vorteil, dass du genau weißt, was drin steckt. Zwei Varianten stellen wir dir vor.

Tipp: Gut Ding will Weile haben! Denk also bereits im Sommer dran, dass die Kälte irgendwann zurückkehrt und mit ihr die Hustenzeit. Spitzwegerich-Blätter werden idealerweise zwischen Mai und September geerntet, und auch das Ansetzen braucht ein paar Wochen Zeit.  

Fruchtig-süß: Hustensirup mit Honig und Essig

Zutaten
● 150 g flüssiger Blütenhonig
● 50 g Apfelessig
● eine halbe Handvoll Spitzwegerich-Blätter

Honig und Essig in ein sauberes Schraubglas füllen und solange schütteln, bis sich beides gut vermischt hat. Den quer zur Faser kleingeschnittenen Spitzwegerich hinzugeben. Zwei Wochen lang an einem kühlen, dunklen Standort oder im Kühlschrank gut durchziehen lassen. Du kannst Deinem Hustensirup auch etwas Thymian beimengen, der zusätzlich krampflösend wirkt.

Schicht für Schicht: Hustensaft mit Kandis

Zutaten
● mind. zwei Handvoll Spitzwegerich-Blätter
● 250 g Kandiszucker
● eine Bio-Zitrone

Schneide die Blätter quer zu den Blattrippen in Stücke. Schichte einen ersten Teil der Blätter rund einen Zentimeter hoch in ein steriles, gut verschließbares Glasgefäß. Drücke die Blätter kräftig an. Nun kommt eine Zentimeter-Schicht Zucker dran, dann wieder Spitzwegerich, und so weiter. Den Abschluss macht eine Schicht Zucker. Das Glas wird zugeschraubt und mindestens zwei Wochen lang – es dürfen aber auch zwei Monate sein – dunkel und kühl gelagert. 

Nun erwärmst Du das Glas im Wasserbad, gibst den Saft einer Zitrone dazu und lässt den Inhalt nochmals einige Stunden ziehen. Blätter durch ein feines Sieb oder Passiertuch abseihen. Den Hustensirup kannst du so mindestens ein halbes Jahr lang aufbewahren. 

Schneller Helfer: Spitzwegerich-Tee

Quält Dich der Husten und du hast keinen Sirup zur Hand, hilft auch ein Spitzwegerich-Tee. Gieße einige frische oder getrocknete Blättchen mit kochendem Wasser auf und lasse den Tee zugedeckt 10 Minuten lang ziehen. 

Wichtig zu wissen ist allerdings, dass durch Erhitzen ebenso wie durch Trocknen wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen. Generell also besser kalt und frisch verarbeiten.

Ein vielseitiger Bestandteil der Naturapotheke

Auch das noch: Bei entzündeten Augen soll ein kräftiger, abgekühlter Spitzwegerich-Sud guttun, der mit dem Wattebausch aufgelegt wird.

Ein Wespenstich: Schmerz, lass nach!

Vielleicht kennst du das: Die Kinder springen ausgelassen auf der Wiese herum, plötzlich ein schmerzvoller Schrei: eine Biene hat zugestochen. Gut, dass die Notfallapotheke gleich vor Ort ist. Zerreibe oder zerkaue einige Spitzwegerich-Blätter, bis Saft austritt. Drücke das Blätterknäuel dann für ein paar Minuten auf den Stich. Der Blättersaft beruhigt, desinfiziert und fördert die Heilung. Funktioniert auch bei kleinen Schürfwunden. Wer’s nicht glaubt, kann ja bei den alten Griechen nachlesen: Die kurierten sogar Skorpionstiche und Schlangenbisse mit Spitzwegerich. 

Und wenn mal der Schuh drückt: Dann kommt der Bruder des Spitzwegerichs zum Zuge: der Breitwegerich. Droht eine Blase am Fuß, ein Blatt auf die nackte Haut legen, Socken und Schuhe wieder anziehen, und weiter geht’s. 

Von Limo bis Suppe: Küchen-Überraschungen

Mit seinem champignonähnlichen  Aroma zaubern Blätter und Knospen des Spitzwegerichs interessante Geschmacksnuancen in verschiedenste Gerichte. Mische einige kleingehackte Blätter in deine bunte Salat-Bowl, ins deftige Omelett oder in den würzigen Kräuterquark. Gut machen sich zudem Kombinationen mit anderen Wildkräutern. 

Auch eine Wildkräutersuppe mit Spitzwegerich, Brennnessel, Löwenzahn und Sauerampfer ist schnell und ganz ohne Einkaufsgang zubereitet.

Geheimtipp Knospen: Ja tatsächlich, auch die Blütenähren schmecken. Ernte sie jung, wenn sie eine dunkle Färbung haben. Unbedingt aber, bevor sie voll aufgeblüht sind, also wenn die weißen Staubblüten noch nicht zu sehen sind. In Öl angeröstet, entfalten sie ihr Aroma, verfeinern Soßen  – und ergeben sogar eine leckere „Pilzsuppe“ ganz ohne Pilze.

Erfrischender Wiesen-Dudler

Eine super Sommererfrischung ist selbstgemachte Kräuterlimonade. Fühle dich frei, mit den unterschiedlichen Aromen von Wald- und Wiesenkräutern zu experimentieren: von Spitzwegerich über Giersch und Gundermann bis hin zu Waldmeister und Zitronenmelisse. Holunder- oder Lindenblüten setzen zudem blumige Akzente. 

So funktioniert’s:

● Eine Handvoll gewaschener, kleingeschnittener Kräuter, eine gescheibte Zitrone und zwei Esslöffel Zucker in eine Schüssel geben.

● Den Inhalt mit einem Holzlöffel etwas zerstampfen, dann einen Liter Apfelsaft aufgießen.

● Zugedeckt ein bis zwei Tage lang ziehen lassen.

● Abseihen, nach Geschmack mit Mineralwasser aufgießen und servieren. Hmmm!

Ich will mehr: Spitzwegerich im eigenen Garten

Wenn du im Grünen wohnst, hast du sicherlich kein Problem damit, an ausreichend wildwachsenden Spitzwegerich zu kommen. Aber natürlich kannst du das Kraut auch gezielt in deinem Garten anbauen. Setze im Frühjahr einige Jungpflanzen im Abstand von mindestens 10 Zentimeter ein. Wähle dafür einen sonnigen Standort mit humosem Boden. Spitzwegerich ist winterhart und äußerst robust, und du wirst sehen, dass er sich bald von selbst vermehrt.

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