Radicchio im Garten anbauen

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Hol Dir eine echte italienische Delikatesse in den Garten. Das bunte Herbstgemüse zaubert fröhliche Farbtupfer in jeden Salat. Aber auch gebraten, gegrillt oder im Risotto schmeckt Radicchio einfach buonissimo!

Herkunft und Einordnung

Nein! Bloß nicht „Radiddscho“ oder so etwas sagen. Wie bei Chianti, Chioggia und dem italienischen Fußballer Chiesa gilt auch hier: Das italienische ch wird als k gesprochen. „Radikkio“ also.

Genau wie Chicorée und Endiviensalat gehört Radicchio zu den Zichorien. Damit stammt er biologisch gesehen aus einer anderen Gattung als Kopf- oder Pflücksalate. Seine ursprüngliche Heimat ist die norditalienische Region Venetien. Dort wird ein wahrer Kult um die herb-bittere Delikatesse getrieben und könnten Feinschmecker sogar touristische „Straße des Radicchio“ entdecken. Obwohl das Salatgemüse die südliche Wärme liebt, lässt sich auch null problemo nördlich der Alpen anbauen – zum Beispiel in deinem Garten.

Rund, lang, lila, grün: bunte Sortenvielfalt

Feste, violette Köpfe mit weißen Blattrippen: So kennen wir Radicchio aus dem Supermarkt. Die kugeligen Sorten sind die typischsten Vertreter der Spezies: „Palla Rossa“ oder „Rosso di Chioggia“ sind auch für den Anbau zu Hause bestens geeignet.

Generell gilt: Der runde Radicchio gibt einen hervorragenden Salat ab. Längliche Sorten mit ihren schmalen Blättern werden dagegen zur Spezialität, wenn sie etwa mit einer kleinen Haube aus Semmelbröseln, Parmesankäse und viel Olivenöl im Ofen gebacken werden. Zu Risotto verarbeitet oder gegrillt zu Fleisch oder Tintenfisch serviert werden. Ein dankbarer Kandidat im Beet ist etwa der hochwachsende Lulatsch mit dem Namen „Rossa di Treviso“.

Radicchio kann aber auch ganz anders: Die Sorte „Variegata di Castelfranco“ präsentiert sich ähnlich wie ein Kopfsalat, allerdings trägt sie elegante rote und lila Sprenkel auf ihren lindgrünen Blättern. Im Feinkostgeschäft wird dieser gesunde Schönling für teures Geld gehandelt. Günstiger kannst du es haben, wenn du ihn selbst anbaust.

Im Herbst oder Frühjahr – wann möchtest du ernten?

Bei uns werden in der Regel die frühen Sorten kultiviert. Nach einer Kulturdauer von drei bis vier Monaten lassen sie sich noch im gleichen Jahr als Herbstgemüse ernten. Späte Sorten wie „Rosso di Verona tardivo“ oder der dunkelgrüne „Grumolo Verde“ werden dagegen im Sommer gesät und sind im Frühjahr des darauffolgenden Jahres erntereif. Das Überwintern klappt allerdings nur in milden Regionen und mit dem entsprechenden Winterschutz.

Wann pflanzen? Vom richtigen Zeitpunkt

Auf zwei Dinge solltest du achten, damit dein Radicchio-Projekt tutto perfetto wird: die richtige Temperatur und die optimale Tageslänge. Gerade zu Beginn entscheiden diese beiden Faktoren über Erfolg und Misserfolg, danach geht’s easy weiter. Vermeide in den ersten Wochen Temperaturen unter 16 Grad, denn die verleiten die Pflänzchen zum Schossen. Und das wollen wir Hobbygärtner natürlich nicht. Gleiches gilt auch für ein Zuviel und Zulange an Tageslicht.

Säe also am besten erst zwischen Ende Mai und Ende Juni, um beide Risiken zu minimieren. Denn dann ist es schon warm, und ab Mitte Juni werden die Tage schon wieder kürzer.

Manche Sorten lassen sich auch schon früher aussäen. Bereits Ende März kannst du dann schon im Haus mit dem Vorziehen bei Zimmertemperatur beginnen. Wenn die Jungpflänzchen dann ab Anfang Juni ins Beet umziehen, solltest du sie bei kühler Witterung mit Vlies abdecken und wenn nötig mit Folie vor zu viel Sonnenlicht schützen.

Wo pflanzen? Der richtige Standort

Direkt ins Freiland säen oder draußen in Töpfchen vorziehen – beides ist möglich. Wir Beetfreunde empfehlen dir das Vorziehen, denn das macht manches einfacher: Erstens kannst du eingreifen, wenn sich Schafskälte oder sonstige Wetterkapriolen ankündigen. Und zweitens kannst du später die kräftigsten Jungpflänzchen auswählen und passgenau ins Beet setzen.

Vier bis sechs Wochen nach der Aussaat haben sich bereits stattliche Radicchio-Bambini entwickelt. Sie sind nun bereit, aus den Töpfen ins Beet umzuziehen. Wähle dafür einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit humosem Boden. Lockere die Erde gut auf, denn der Radicchio entwickelt eine tiefe Pfahlwurzel. Setze die Pflänzchen nun in Abständen von mindestens 30 mal 30 Zentimetern – du wirst sehen, dass sie sich mit ihren großen Außenblättern in den kommenden Monaten ganz schön breit machen.

Wenig Pflege nötig

Hat dein Radicchio seine ersten Wochen gut überstanden, nicht unter zu viel Kälte oder Sonne gelitten, dann hast du es in der weiteren Wachstumsphase umso leichter. Natürlich solltest du regelmäßig gießen, doch viel bleibt nicht für Dich zu tun. Als Schwachzehrer brauchst du den Radicchio auch nicht zu düngen.

Schädlinge und Krankheiten

Überprüfe dein Beet aber regelmäßig auf Futterkonkurrenz: Schnecken finden insbesondere die Jungpflanzen ziemlich lecker. Ansonsten sind eventuelle Probleme beim Anbau meist hausgemacht. Zu viel Dünger kann zu Blattrandbrand führen, zu viel Wasser zu welken Blättern.

Späte Radicchio-Sorten überwintern

Späte Radicchio-Sorten werden im Juli und August gesät. Wenn im Herbst der Frost naht, schneidest du die äußeren Blätter ab, sodass nur noch ein kurzer Strunk aus der Erde schaut. Diesen deckst Du mit Laub ab und deckst Vlies oder Reisig darüber. Im Frühjahr treibt der Radicchio neu aus und ist etwa ab im März erntereif.

Kühle Herbstnächste sorgen für Farbe  

Beginne nicht zu früh mit der Ernte. Denn erst wenn Nächte im Herbst kälter werden, die Tage aber noch sonnig und warm sind, bildet der Radicchio seine typischen weiß-violetten Farbkontraste aus. Oder anders gesagt: Je später du erntest, desto farbenprächtiger wird dein Salatgemüse.

Schneide den Kopf oberhalb der Erde ab und entferne die äußeren, losen Blätter. Die kompakten Sorten mit ihren festen Herzen kannst du im Kühlschrank oder im kühlen Keller problemlos einige Wochen lang lagern.

Tipp: Wenn du den Radicchio mitsamt der Wurzel erntest, erhöht das nochmals die Lagerfähigkeit.  

Buon appetito: bitter ist gesund

Allen Radicchio-Sorten gemeinsam ist ihr hoher Gehalt an Bitterstoffen, dem so genannten Intypin. Das mundet nicht jedem, ist aber unheimlich gesund. Denn Intypin regt die Produktion der Verdauungssäfte an. Darüber hinaus stecken im Radicchio die Vitamine B, C und A, dazu Kalium und Kalzium. Und das enthaltene Inulin wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus.

Wenn du das Bittere gar nicht magst, kannst du den Strunk und die weißen Blattadern ein wenig herausschneiden oder den Radicchio in lauwarmes Wasser legen. Denk‘ aber dran: Je bitterer, desto gesünder!

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