Löwenzahn: Mehr Superblume als Unkraut

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Kinder lieben Löwenzahn. Besonders dann, wenn sich seine Blüten in kugelige Pusteblumen verwandelt haben. Dann genügt ein kräftiges „pffff“, um unzählige Samen mit ihren flaumigen Fallschirmen in die Lüfte zu entsenden – ein Heidenspaß. Für die meisten Erwachsenen fällt Löwenzahn dagegen in eine der Kategorien von „unspektakulär“ bis Unkraut“. Gerade weil die kleine gelbe Wiesenblume für uns so alltäglich ist, wird sie völlig unterschätzt. Denn tatsächlich ist sie ein vielbewährtes Heilkraut und obendrein ein löwenstarker Held in der Küche.

So bekannt – und doch so unbekannt

Taraxacum officinale, wie der Löwenzahn offiziell heißt, ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Sie ist auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde beheimatet, liebt stickstoffhaltige Wiesen und Weiden, gibt sich aber auch mit winzigen Mauerritzen zufrieden. Ihren gewichtigen Namen verdankt sie ihren scharf gezackten Blättern, die mit etwas gutem Willen an Raubtierzähne erinnern. Gefährlich ist Löwenzahn allerdings überhaupt nicht: Alle Pflanzenteile sind essbar und supergesund.  

Schmeckt nicht nur Kaninchen

In der Tierwelt gilt Löwenzahn als Schmankerl. Während sich Kaninchen und Kanarien über das zarte Blattgrün freuen, mampfen Kühe mit Genuss die gelben Blüten. Weil das enthaltene Carotin für eine gelbe Färbung von Milch und Butter sorgen, nennt sich die Pflanze auch Kuhblume oder Butterblume.

Wer selbst einmal an einem frischen Blättchen knabbert, wird feststellen: schmeckt! Wir stellen dir ein paar Möglichkeiten vor, wie du Löwenzahn – mit Blüte, Blatt und Wurzel – in der Küche einsetzen kannst.

Kreative Salatkombis

Im Frühjahr, wenn die jungen Löwenzahnlätter besonders gut schmecken, kannst du zusammen mit den ersten Radieschen aus dem Garten, Gänseblümchen und Feldsalat einem gesunden Frühlingssalat zaubern. Dazu passt ein Dressing aus fruchtigem Apfelessig, Kürbiskernöl, Pfeffer und Salz.

Der herbe Geschmack des Löwenzahns harmoniert auch gut mit süßen Nuancen, etwa Cocktailtomaten. Deftig wird es dagegen bei einem Salat mit gerösteten Speckwürfeln und hartgekochtem Ei. Oder auch das: eine bunte Wildkräuter-Kombi aus Brennnessel, Sauerampfer, Giersch, Veilchen-, Primel- und Bärlauchblüten sowie eben Löwenzahnblättern und -blüten.

Fürs geschmackliche i-Tüpfelchen sorgen Toppings aus gerösteten Pinien- oder Kürbiskernen oder Walnüssen.

Für Suppe und Auflauf – alles ist möglich!

Löwenzahn lässt sich hervorragend zu feinen Kräuterquarks, Löwenzahnbutter oder Wildkräuter-Pesto verarbeiten. Er schmeckt aber auch warm, zum Beispiel  als Auflauf oder im Omelett. Und er verleiht dem Gemüseeintopf eine würzige Note, wenn du die klein geschnittenen Blättchen ganz zum Schluss darüber streust. 

Tipp: Bitter = gesund. Sind dir die rohen Blätter aber wirklich zu bitter, wässere sie eine Stunde lang in kaltem Wasser.

Er kann auch süß: Löwenzahn-Honig

Die vegane Alternative zum Blütenhonig, die direkt vor der Haustüre wächst. Alles, was du brauchst, ist Sammler-Laune und Geduld.

Du benötigst:
200 Löwenzahn-Blüten (ca. 200 g)
1 l Wasser
1 kg Zucker
½ Zitrone

Zupfe die Blüten am bestens morgens und bei Sonnenlicht, wenn sie weit geöffnet sind. Übergieße die zuvor gewaschenen Blüten mit dem kalten Wasser und lasse sie zunächst zwei Stunden lang ziehen. Anschließend kurz aufkochen, wieder abkühlen lassen und nochmals gut durchziehen lassen – mindestens über Nacht.

Nun seihst du die Mischung durch ein Leintuch, gibst Zucker und geriebene Zitronenschale und den Saft dazu und bringst die Mischung zum Köcheln. Nun sind Geduld und Gefühlsarbeit gefragt: Denn bis die Flüssigkeit zu einem Sirup eingekocht ist und eine honigartige Konsistenz erreicht hat, können einige Stunden vergehen. Rühre immer wieder um und lasse immer wieder etwas Masse auf einem Teller erkalten. In sterile Gläser abgefüllt und an einem dunklen Ort gelagert, hält sich dein Löwenzahnhonig bis zu einem Jahr.

Mach Dir einen Blümchenkaffee!

Heute ist es selbstverständlich für uns, Kaffee immer und überall verfügbar ist. Das war nicht immer so. Noch für unsere Großeltern war Kaffee ein rares Luxusgut. Daher wurde oftmals auf so genannten Muckefuck ausgewichen, der aus Getreide, Zichorien- oder Löwenzahnwurzeln hergestellt wird.

Für deinen selbstgemachten Löwenzahn-Kaffee benötigst du die Wurzeln der Pflanze. In dünne Scheiben (ca. 0,5 cm) schneiden und einige Tage trocknen lassen. Die Stücke gleichmäßig und ohne Öl in einer Pfanne braun rösten. Mahlen und aufbrühen wie Kaffee. Schmeckt malzig-süß, Koffein ist allerdings nicht drin.

Löwenzahn: ein kraftvolles Heilmittel

Löwenzahn schmeckt leicht bitter – und genau das macht ihn so extrem gesund. Die enthaltenen, seltenen Bitterstoffe regen die Produktion der Verdauungssäfte an – also von Speichel, Magensäure und Gallenflüssigkeit. Sie unterstützen die Leber bei der Entgiftung und bringen den Körper in eine gesunde Säure-Basen-Balance. Weil Löwenzahn zudem harntreibend wirkt, wird er mancherorts übrigens auch „Pissblume“ genannt.

Mit all diesen guten Eigenschaften hat sich Löwenzahn bereits seit dem Altertum als Heilkraut bewährt  – und qualifiziert sich darüber hinaus als optimaler Begleiter beim Fasten.

Blätter und Blüten des Löwenzahns enthalten zudem viel Vitamin C und eine Menge Kalium, Magnesium und Phosphor. Die Wurzel ist insbesondere im Herbst prall an gesundem Inulin, das die „guten“ Darmbakterien stärkt.   

Zum Entschlacken: Löwenzahntee

Willst du deinen Körper entgiften und deine Verdauung in Schwung bringen, kannst du dir etwa einen Löwenzahntee aus frischen oder getrockneten Blättern zubereiten. Pro Tasse ein frisches Blatt bzw. ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blätter mit kochendem Wasser überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Eine stärkere Wirkung erzielst du, wenn du Blätter oder auch gescheibte Wurzeln vor dem Aufkochen einige Stunden in kaltem Wasser ziehen lässt.

Erntezeit fast rund ums Jahr

Löwenzahn begleitet dich fast durchs ganze Jahr. Die Blätter kannst du zwischen März und Oktober ernten, die Blüten vor allem im April und Mai. Möchtest du an die Wurzeln kommen, rücke dem Löwenzahn im Herbst zu Leibe, wenn keine Blüten mehr zu sehen sind. Das Ausgraben ist gar nicht so einfach, denn die Pflanze hat tiefe Pfahlwurzeln, die schon mal einen guten Meter tief in die Erde reichen können.

Löwenzahn trocknen

Die Blätter etwas klein schneiden. Die Wurzeln waschen und in dünne Streifen oder Scheiben schneiden. Für Blätter, Blüten und Wurzeln gilt: auf einem Blech ausbreiten und an einem schattigen, luftigen Ort einige Tage lang trocknen lassen. Die Blüten ergeben auch einen schönen Deko-Effekt in selbst gemachten Kräutertees.

Der Milchsaft: nicht giftig…

In ihm steckt allerdings besonders viel des Bitterstoffs Taraxacin, dazu Harze und Triterpene. Diese können – freilich nur, wenn in rauen Mengen genossen – zu Magenschmerzen oder Übelkeit führen.

…aber gut gegen Warzen und Pickel

Vielmehr sagt man der Löwenzahnmilch nach, gegen Warzen und Hühneraugen zu helfen. Trage sie dafür zwei- bis dreimal täglich auf die betroffenen Hautstellen auf.
Mehr noch: Die weiße Flüssigkeit lindert auch den Juckreiz nach Insektenstichen und hilft mit ihren entzündungshemmenden Eigenschaften gegen Pickel.

Oh Schreck – ein Fleck

Milchsaft kann auf der Kleidung bräunliche Flecken hinterlassen. Dagegen haben sich Hausmittel wie Gallseife, Zahnpasta oder Butter bewährt, die eingerieben wird, bevor das gute Stück Wäsche in die Maschine gegeben wird.

Fun Fact: Autoreifen aus Löwenzahn

Aus der Milch von russischem Löwenzahn lässt sich Naturkautschuk gewinnen, der unter anderem für die nachhaltige Produktion von Autoreifen eingesetzt werden könnte. Derzeit wird fleißig geforscht.  

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