Der eigene Meerrettich im Garten – seine Wirkung, längst vergessen

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Meerrettich wächst oft wild neben Wegen, in feuchten Wiesen oder an Ufernähe von Seen. Habt ihr einmal Meerrettich gepflanzt, ist er meist sehr beständig und wächst immer wieder. Noch so feine Wurzeln verharren in der Erde und treiben wieder neu aus. Der Meerrettich gehört zu den Kreuzblütengewächsen. Er gräbt seine Wurzeln bis zu 60 cm tief in den Boden. Seine Blütenstände bilden sich von März – Mai an einem Stängel, dieser wird um die 1,20 Meter groß. Blüte (diese bildet sich ab dem zweiten Jahr) oder Blätter schmecken aromatisch mit einer leichten Schärfe wunderbar in einem Sommersalat oder wie Kresse auf einem Butterbrot. Frisch aus dem Garten, schmeckt die Wurzel viel aromatischer und etwas schärfer, wie der gekaufte Meerrettich aus dem Glas.

Den Meerrettich gibt es schon sehr lange. Schon Hildegard von Bingen erzählt von der scharfen Heil- und Kräuterwurzel. Frisch enthält der Meerrettich die meisten Aromastoffe. Ihr könnt ihn fein gerieben zu geräuchertem Fisch, Rindfleisch, einem Tafelspitz oder Würsten essen. Der Meerrettich aktiviert die Verdauung, wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, stärkend, durchblutungsfördernd und harntreibend. Seine Anwendung ist vielfältig, somit hilft er gegen Kopfschmerzen, Erkältung, Husten, Magenschmerzen, Gicht, Rheuma, Verstopfung und Blähungen und äußerlich sogar bei Insektenstichen und Wunden. Wie ihr merkt, ist der Meerrettich schon ein etwas vergessener, Allrounder in der Pflanzenapotheke. Täglich 1 Teelöffel frisch geriebener Meerrettich stärkt das Immunsystem. Bei Grippe oder Husten solltet ihr 2-3 Teelöffel frisch geriebenen Meerrettich einnehmen. Bei Husten, Gicht, Kopfschmerzen, Rheuma oder Insektenstichen solltet ihr einen Meerrettich-Wickel machen. Wichtig ist dabei, dass ihr immer erst ein Öl auf die Haut auftragt.  Reibt den frischen Meerrettich und gebt ihn z.B. auf die Brust und deckt ihn mit einem Baumwolltuch ab. Der Meerrettich bleibt so lange auf der betroffenen Hautstelle, bis sich ein leichtes Brennen bemerkbar macht. Nun entfernt ihr den Wickel und löst letzte Reste mit lauwarmem Wasser. Oftmals reicht es aber schon, wenn ihr die ätherischen Öle beim Reiben einatmet.

Standort

Der Meerrettich ist kaum anspruchsvoll, was Standort und Boden angeht. Dennoch bildet er bei lockerem Boden bessere Wurzeln. Er mag es auch gern halbschattig. Hat er einen eher sandigen Boden, schmecken die Wurzeln eher mild und weniger scharf. Bei lehmigem Boden werden die Wurzeln gern holzig und faserig. Einmal den Standort gewählt, lässt er sich nur noch schwer entfernen. Jede noch so kleine Wurzel schlägt wieder aus. So solltet ihr den Standort eher am Rand eures Beetes wählen.  

Anbau und Pflege

Der Meerrettich bildet Pfahl- und mehrere Seitenwurzeln. Mit diesen Seitenwurzeln könnt ihr ihn vermehren. Zu der ersten Pflanzung, könnt ihr solche Seitenwurzeln kaufen oder auch bei Nachbarn oder im Netz ertauschen. Achtet darauf, dass sie ca. 2 cm dick und ca. 25 cm lang sind. Anfang April bis Mai könnt ihr diese Rhizome dann etwa 15cm tief, schräg in die Erde stecken. Danach bedeckt ihr sie einige Zentimeter mit Erde oder Kompost. Habt ihr mehrere Rhizome, achtet auf einen Pflanzabstand von mindestens 60 cm. Meerrettich ist vom Wuchs sehr mächtig, seine Wurzeln und großen Blätter brauchen genügend Platz. Er hat gern gleichbleibend, aber doch nicht zu nasse Erde, um gute Wurzeln auszubilden. Kompost kann man mit in die Erde mischen, müsst ihr aber nicht zwingend. Bei trockenen Perioden müsst ihr ihn etwas gießen. Baut ihr nur wenige Pflanzen an, braucht ihr keine Fruchtfolge beachten. Bei größeren Mengen empfiehlt man jedoch den Meerrettich 2 Jahre auf dem Beet anzubauen und dann 4 Jahre zu pausieren. Der Meerrettich ist eine winterharte Wurzel.

Im kleinen Anbau ist der Meerrettich meist frei von Schädlingen oder Krankheiten. Im größeren Anbau kommt es des Öfteren zu falschem Mehltau (weißem Rost).  Hierbei sterben die Blätter ab und die Wurzeln werden faulig. Vorbeugend könnt ihr die Pflanze mit einem Tee aus Ackerschachtelhalm begießen.

Ernte

Der Meerrettich bildet eines der Schlusslichter im Erntejahr. Die Haupterntezeit ist aber meist im November. An frostfreien Tagen könnt ihr den Meerrettich von Oktober bis Januar ernten.

Ernten könnt ihr die Wurzeln, ähnlich wie Kartoffeln, mit einer Grabgabel. Sticht vorsichtig am Rand hinein und bewegt die Gabel etwas hin und her. Dann könnt ihr sie aus der Erde nehmen. Wollt ihr die Wurzeln lagern, nicht abwaschen. Lediglich etwas die Erde entfernen. Zur Lagerung sollten nur unbeschädigte Wurzeln benutzt werden.

Angeschlagene oder angestochene Wurzeln könnt ihr in einem feuchten Tuch, aber dennoch bis zu 2 Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Frisch geerntet, könnt ihr keine ätherischen Öle wahrnehmen. Diese Senföle entstehen erst bei der Verarbeitung. Wir haben ein paar kleine schnelle Rezepte für euch zusammengestellt.

Meerrettich verarbeiten

Bei der Verarbeitung verhält sich der Meerrettich ähnlich wie die Zwiebel. Er setzt beim Reiben Senföle frei. Diese regen die Nasenschleimhaut an, ich empfehle euch das Fenster zu öffnen oder die Wurzeln gleich ganz im Freien zu reiben. Möchtet ihr mehr Meerrettich verarbeiten, könnt ihr diesen mit einem Schäler klein schälen und in eine Küchenmaschine geben. Gebt dem Meerrettich etwas Zitronensaft hinzu, damit er seine schöne weiße Farbe behält.

Rezepte

Meerrettich Dip

Ihr benötigt:

  • 50g Meerrettich
  • 250g Schmand
  • 100g Créme Fraîche
  • etwas Zitronensaft
  • 1 Apfel (nicht zwingend notwendig)
  • etwas Zucker
  • Salz, Pfeffer
  • 2 sterile Gläser

Zuerst müsst ihr den Meerrettich fein reiben. Mischt die anderen Zutaten und hebt den Meerrettich unter. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken. In sterile Gläser füllen, mit dem Deckel verschließen und im Kühlschrank aufbewahren. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr einen geschälten Apfel unterrühren. Dann empfehle ich euch die ganze Masse zu pürieren, damit sie feiner wird.

Sahnemeerrettich

Ihr benötigt:

  • 100g Meerrettich
  • 100g Sahne
  • Salz, Pfeffer
  • steriles Glas

Zuerst müsst ihr den Meerrettich schälen und klein reiben.  Dann schlagt ihr die Sahne steif und hebt sie unter. Abschmecken könnt ihr mit Salz und Pfeffer. Die Creme in sterile Gläser füllen und im Kühlschrank aufbewahren. Sie schmeckt lecker zu Tafelspitz oder Fisch.

Meerrettichsoße

Ihr benötigt:

  • 60g Butter
  • 1-2 EL Mehl
  • 250 ml Gemüse oder Rinderbrühe
  • 100 ml Sahne
  • 100g Meerrettich
  • 1 EL mittelscharfer Senf
  • etwas Muskatnuss
  • Salz, Pfeffer
  • etwas Zitronensaft
  • etwas Zucker

Zuerst wascht, schält und reibt ihr den Meerrettich. Stellt eine Mehlschwitze her, indem ihr die Butter im Topf schmelzen lasst, gebt das Mehl dazu und rührt stetig um. Diese Masse soll etwas anrösten. Hitze etwas reduzieren. Nun gebt ihr nach und nach die Brühe hinzu. Ihr müsst konstant rühren, die Butter- Mehl-Masse soll sich mit der Brühe verbinden. Nun kommt die Sahne hinzu, lasst das Gemisch etwa 5 Minuten bei mittlerer Hitze kochen. Jetzt dürft ihr den geriebenen Meerrettich dazugeben. Schmeckt mit Muskatnuss, Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und Zitronensaft ab. Lasst die Soße noch ein paar weitere Minuten kochen, bis sie sämig genug ist.

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Mein Name ist Theresia Kleinert (garten_resi), ich bin 33 Jahre alt und wohne mit meiner Familie im Allgäu. Die meiste Zeit verbringe ich im Garten. Ich baue Gemüse, Obst und Kräuter an und versorge unsere Tiere. Der Garten erdet mich und gibt mir neue Energie. Selbst machen, statt kaufen, ist unsere Devise. Dreckige Finger gehören dazu, aber auch das Schreiben und Weitergeben von gesammelten Erfahrungen macht mir viel Spaß.

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