Wintergemüse – was du jetzt anbauen und ernten kannst!

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Kohlkopf

Hält dein Beet eigentlich Winterschlaf? Das muss es gar nicht! Du kannst auch in der kalten Jahreszeit jede Menge gesundes Gemüse und frische Salate anbauen – und ernten. Das Ganzjahres-Gärtnern entwickelt sich gerade zu einem neuen, vielversprechenden Trend. Ordentlich abgeräumte, glatt gerechte Beete sind out. Dem knackigen Wintergrün gehört die Zukunft, ob mit oder ohne Schneehäubchen!  

Welches Gemüse wächst im Winter?

Eine ganze Menge. Viele Gemüse halten weitaus mehr Kälte aus als bisher vermutet. Das hat unter anderem der österreichische Wissenschaftler und Autor Wolfgang Palme herausgefunden. In Experimenten hat er mehr als 70 Gemüsearten ausgemacht, die dem Frost die kalte Schulter zeigen. So stecken Grünkohl und manch andere Blattkohle bis zu minus 20 Grad weg! Aber auch Möhren, Kohlrabi, Rucola oder Radieschen kommen durchaus mit Minusgraden zurecht. 

Eine größere Gefahr fürs Wintergrün ist Nässe. Dann haben Schimmel- und Pilzkrankheiten ein leichtes Spiel. Deshalb solltest du Gemüsen wie Möhre oder Endivie im Spätherbst Schutz gegen Niederschläge bieten. Das kann ein selbst gebauter Folientunnel sein, eine Frühbeet- oder Hochbeet-Abdeckung. Einfacher haben es jene, die auf dem Balkon gärtnern: Dort ist der Regenschutz meist gleich inklusive.

Der Winter bietet ungeahntes Gärtner-Potenzial. Erwarte trotzdem keine Wunder: Die Sonnenstunden sind knapp, das Wachsen geht buchstäblich „gechillter“ voran. Umso wichtiger ist es, dass dein Gemüse bereits vor dem Kälteeinbruch eine gewisse Größe erreicht hat. 

Wann pflanzen? Mach‘ dir einen Plan

Soll es in deinem Wintergarten reichlich grünen, brauchst du einen guten Plan! Denn so verschieden die Wintergemüse sind, so unterschiedlich ist ihre jeweilige Kulturdauer. Während Salate und Radieschen schon nach einigen Wochen erntereif sind, brauchen Schwarzwurzeln fast ein ganzes Gartenjahr, um sich zu entwickeln. Willst du zwischen Halloween und Karneval also viel abwechslungsreiche Frische auf den Tisch bekommen, musst du vorausschauend gärtnern.

Wenn’s frostig wird

Tatsächlich bereiten sich viele Gemüsesorten vor, um vom Winter nicht kalt erwischt zu werden. Sie lagern bestimmte Stoffe im Zellinneren ein, die verhindern, dass Eiskristalle entstehen. Das ist unter anderem Zucker. Deshalb schmecken viele Gemüse im Winter oft süßer als im Sommer. Eine Sache solltest du allerdings vermeiden: bei Frost ernten. In der warmen Küche wird das Gemüse schnell matschig. Warte einfach ab, bis die eingefrorenen Pflanzen von selbst wieder auftauen. 

Neun grüne Wintergemüse für deine Beete

Der Klassiker: Grünkohl
Mit Kartoffeln und „Pinkel“ genossen, ist er ein Winter-Küchenklassiker. Auf den deftigen Schmaus darfst du dich bereits ab Mai freuen. Dann nämlich wird Grünkohl zunächst in Anzuchtschalen oder Töpfe gesät und die Jungpflänzchen ab Juni ins Beet umgesetzt. Sonne und ausreichend Dünger lassen den Starkzehrer zu einer stattlichen Größe anwachsen, bis er ab November den ganzen Winter hindurch geerntet werden kann. Kurioserweise schmeckt der Grünkohl umso besser, je länger er im Kalten steht. 


Interessante Kohlvarianten sind der Palmkohl, der bereits den alten Römern schmeckte. Oder der Butterkohl, der im Winter eine kräftige Orange-Färbung erhält. Auch den Zierkohl solltest du nicht von deiner Tafel weisen, denn er ist nicht nur hübsch, sondern zum Anbeißen lecker! 

Ein Winterheld: Rosenkohl

Man kann den außergewöhnlichen Geschmack lieben oder nicht. Im Winterbeet beeindruckt die robuste Pflanze jedenfalls mit Nehmerqualitäten. Ganz ohne Abdeckung erträgt sie selbst grimmige Kälte. Jenen aber, bei denen Rosenkohl unangenehme Kindheitserinnerungen weckt, sei gesagt: Je frostiger es draußen ist, desto süßer schmecken die zarten Knospen. Wäre das nicht die Gelegenheit für den Neubeginn einer wunderbaren Freundschaft?

Knackige Knolle: Kohlrabi

Kohlrabi-SetzlingWollten wir den Lauf des Jahres geschmacklich beschreiben, dann passt „süß“ wohl eher zu lauschigen Sommerabenden und „bitter“ zu kalten Winternächten. Beim Kohlrabi ist es genau anders herum: Erntest du ihn im Sommer, hat er ein leicht bitteres Aroma. Erntest du ihn dagegen im Winter, erwartet dich ein fast schon süßes Geschmackserlebnis. Kohlrabi ist bis etwa -10 Grad Celsius frosthart. Wähle für den Anbau eine Herbstsorte. 

Doppelter Genuss: Topinambur
Wer im Frühjahr Topinambur-Knollen pflanzt, kann sich gleich zweimal im Gartenjahr freuen: Im Herbst, wenn gelbe Blüten ein fröhliches Farbenspiel ins Beet zaubern. Und ein zweites Mal, wenn die Stängel verwelkt sind: Dann sind die unterirdisch wachsenden Knollen reif und sorgen den ganzen Winter für überirdische Genüsse.  

Bringen Farbe in den Winter: Radieschen

„Die Ersten werden die Letzten sein…“, so heißt es im Matthäus-Evangelium. Ganz bestimmt nicht bibelfest, aber umso winterfester sind die rotbackigen Radieschen. Die sind bei vielen Hobbygärtnern die ersten Frühjahrsgäste im Beet. Du kannst den Spieß aber auch umdrehen, sie im Oktober säen und pünktlich zum Weihnachtsessen auf den Tisch bringen. 

Was lange währt…: Schwarzwurzeln
Die empfindlichen Samen werden bereits Ende Februar oder Anfang März gesät. Geerntet werden die Schwarzwurzeln ab Oktober über den gesamten Winter. Dafür werden die Wurzeln mit dem Spaten aus der Erde geholt. In ihrem Geschmack erinnern Schwarzwurzeln stark an Spargel und werden ebenso zubereitet.

Lang(sam)er Lulatsch: der Lauch

LauchSo wie die Schwarzwurzeln ist auch der Lauch eher von der langsamen Sorte, was das Wachsen angeht. Wenn du im Winter ernten möchtest, wähle robuste Herbst- oder Winterarten, die blaugrüne Blätter tragen. Aus den Samen kannst du bereits ab März Jungpflänzchen ziehen, die du später ins Beet umsetzt – gerne in Mischkultur mit Salat. 

Von traditionell bis trendig: Salat satt

Ein Muss im winterlichen Garten ist der Feldsalat. Er ist anspruchslos, robust und schnellwüchsig. Willst du lange in den Winter hinein ernten, dann säe einfach alle paar Wochen nach. Gönne den Pflänzchen im Spätherbst einen Niederschlagschutz. Dann kannst du sogar bis weit in den Oktober hinein säen.

Der würzige Rucola sollte auch im Winter nicht auf der Prosciutto-Pizza fehlen. Besonders kältefest ist die wilde Rauke. Sie schmeckt im Winter etwas milder als im Sommer.

Sie heißen Mizuna, Pak Choi oder „Grün im Schnee“: Asia-Salate bringen frischen Wind in die Winterküche. Die pikanten Kohlsalate gibt es in vielen verschiedenen Sorten oder als fertige Sortenmischung. Sie zarten Blättchen sind extrem frostfest und wachsen schnell. 

Noch ein Geheimtipp, der’s in sich hat: Winterpostelein oder Winterportulak genannt. Diesen vitaminreichen Salat gibt’s tatsächlich nur im Winter. Hast du ihn einmal im Beet, sät er sich im Frühjahr selbst aus. 

Würz‘ deinen Winter: Küchenkräuter
Der mehrjährige Schnittlauch bekommt im Herbst zwar gelbe Röhrchen und treibt erst im Spätwinter wieder aus. Stülpst du eine Plastikflasche oder ein Glas über ihn,  kannst du das beschleunigen. Auch Petersilie wächst im Winter weiter. Schneide sie im September nochmals stark zurück und schütze sie vor Nässe. Ein schnittiger Kandidat fürs winterliche Beet ist der Schnittknoblauch. Der gedeiht schneller als sein Knollen-Kollege, kann im Winter geerntet werden und hinterlässt keine penetrante Fahne. 

Das alles, und noch viel mehr kannst du in deinem Wintergarten machen: Möhren, Spinat, Rotkohl, Pastinake – es würde den Rahmen sprengen, all die Gemüsesorten aufzuführen, die den Winter lebendig, bunt und gesund machen.  

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