„Der Blumensammler“ von David Whitehouse

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Wenn es draußen stürmt und schneit und der Garten unter einer dicken Schneeschicht sanft schlummert, gibt es für uns beetfreunde nichts Schöneres als uns mit einer warmen Tasse Kräutertee auf der Couch einzukuscheln und zu lesen. „Der Blumensammler“ von David Whitehouse ist zwar kein klassisches Gartenbuch, hat uns aber mit seinem schön gestalteten floralen Cover und dem Einbandtext, dass es ein Roman um die Expedition nach den sechs seltensten Blumen der Welt geht, sofort neugierig gemacht.

Peter Manyweathers führt ein langweiliges Leben als Reinigungskraft in New York, bis ihm eines Tages in einer Leihbücherei ein verstaubtes Nachschlagewerk über Blumen entdeckt. Darin findet er einen handgeschriebenen Brief mit einer Liste von sechs seltenen Blumen, die der Schreiber für seine große Liebe finden will: die Gibraltar-Lichtnelke, die schafsfressende Pflanze, die Kadapul-Blume, das lebende Fossil, die Udumbara-Blume und die Todesblume. Fasziniert von diesem Brief und dem scheinbar unmöglichen Vorhaben, es dem Verfasser gleich zu tun und alle sechs zu finden, beginnt eine besessene Reise rund um die Welt, die Peter mehr als einmal fast das Leben kostet. Seine abenteuerliche Suche wird schnell zu einer Suche nach sich selbst, nach seinem Platz in der Welt, den er selbst noch nicht gefunden hat und nach der Liebe.

Drei Jahrzehnte stößt der junge Dove Gale, der ein einsames Leben im Callcenter einer Notrufzentrale führt, auf die Spuren von Peter Manyweathers. Doch nicht über ein Buch oder einen Brief, sondern als Erinnerungsfetzen in seinem Kopf, die ihn schier in den Wahnsinn treiben. Er ist nicht auf der Suche nach seltenen Blumen, sondern nach seinen eigenen Wurzeln, deren Ort für ihn als Waisen versteckter sind als jede Blume der Welt.

Die Geschichte von Professor Cole, einem Tiefseeforscher, der auf einer Expedition knapp dem Tod entrinnt und dabei die Blackbox eines seit Jahrzehnten verschollenen Flugs findet, ist die dritte Geschichte des Romans. Und Stück für Stück werden die Geschichten verwoben, bis am Ende klar wird, was diese drei so unterschiedlichen Personen miteinander verbindet.

David Whitehouse hat einen spannenden, schönen Roman über einzigartige Blumen und die einzigartigen Lebensgeschichten seiner Hauptfiguren geschrieben. So wie alle sechs seltenen Blumen nur an einem bestimmten Ort wachsen, um sich fortzupflanzen und in dieser Welt weiterzubestehen, so suchen auch Peter, Dove und Professor Cole nach genau diesem Ort in ihrem eigenen Leben. Nach ihren Wurzeln und der Liebe, um aus diesen Wurzeln eine so einzigartige Blüte entstehen zu lassen, wie es sich wohl jeder für sein Leben wünscht. Die Geschichte ist zwar aufgrund der verschiedenen Erzählstränge anfangs ein bisschen kompliziert, aber wenn man einmal in diese spannende Suche mit eingetaucht ist, will man nicht mehr aufhören zu lesen.

Der Blumensammler. Aus dem Englischen von Dorothee Merkel
(Orig.: The Long Forgotten). 2. Druckaufl. 2018, 346 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. ISBN: 978-3-608-50373-9. € 20,00 findest du im Buchhandel oder bei Amazon.

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