Der Bauerngarten – romantisch, üppig, lecker und intelligent bepflanzt

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Sonnenblumen grüßen freundlich über den Holzzaun, an dem zartrosa Wicken und feurig-orange Kapuzinerkresse ranken. Wirft der Betrachter dann einen neugierigen Blick durch die Holzlatten, so entdeckt er Beete voller Tomatenpflanzen und Bohnen, Kohlgemüse und Kürbisse, Kräuter und Salate. Obendrein wird die üppige Pracht von einem kunterbunten Meer aus Blumen umspült. Im Bauerngarten ist einfach alles drin: Gemüse, Blumen und Heilkräuter. Stilistisch perfekt arrangierte Farb- und Pflanzenkompositionen sind dabei zweitrangig, vielmehr malen dicke Pinselstriche ein Bild von prallen Lebensfreude. Wir zeigen dir, welche Klassiker unbedingt hineingehören.

Bauerngarten früher und heute

In früheren Zeiten hatte der Bauerngarten vor allem einen Zweck zu erfüllen: nämlich seine Nutzer mit allem Nötigen für jeden Tag zu versorgen. Er fungierte als eine Art Tante-Emma-Laden hinterm Haus samt Lebensmittelabteilung, Floristik-Ecke und Apotheke – und vereinte möglichst vielen „Waren“ auf kleinem Raum. Den Blumen kam dabei auch die Aufgabe zu, Bienen, Hummeln und andere Bestäuber anzulocken. Und damit eine reiche Ernte zu garantieren. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstand mit dem „Bauerngarten Hamburger Art“ ein stärker an Ästhetik orientierter Prototyp dieser Gartenform. Bis heute orientieren sich viele Bauerngärten an dessen Gestaltungsprinzipien mit Wegkreuz, Rondell und Buchsbaum-Beeteinfassungen.

Mehr als nur schön: klassische Bauerngarten-Blumen

Keine Frage: Die Schönheit von Blumen ist schon ein Wert an sich. Viele typische Bauerngarten-Blumen sind jedoch nicht nur ein Genuss fürs Auge, sondern bieten einen zusätzlichen Nutzwert: Sie vertreiben etwa Schädlinge, verbessern den Boden, bringen heilende Eigenschaften mit oder finden Verwendung in der Küche.

Ringelblume als Allround-Talent

Ein Paradebeispiel dafür ist die Ringelblume. Sie gehört zweifelsfrei zur Basisausstattung eines Bauerngartens: Ihre gelb-orangen Blüten bringen nicht nur sommerliche Sträuße zum Leuchten, sondern schmecken auch im Salat. Zu Salbe verarbeitet, hilft Calendula bei entzündeter oder verletzter Haut. Entsprechende Produkte gibt es in der Hautcreme-Abteilung jeder Drogerie. Und schließlich wirkt sie im Boden als natürlicher Nematoden-Killer und ist damit ein perfekter Pflanz-Partner zwischen Tomaten oder Kartoffeln.

Mit Vergissmeinnicht gegen den Erdbeerkäfer

Mit einer solchen „Multi-Funktionalität“ glänzen auch viele weitere Bauerngarten-Blumen. So helfen auch Tagetes und Zinnien gegen die lästigen Fadenwürmer. Dem zartblau blühenden Vergissmeinnicht wird hingegen nachgesagt, Erdbeerkäfer zu vertreiben – etwa, wenn es als Beeteinfassung gepflanzt wird. Allium und Kapuzinerkresse dagegen halten Schnecken vom Gemüsebeet fern, wobei letztere sogar noch mehr kann: Ihre Blüten sind eine dekorative Delikatesse, und ihre Blätter sind unwiderstehlich für den Kohlweißling: Der legt hier gerne seine Eier ab und lässt dafür Grünkohl & Co. in Ruhe.

Von romantisch bis kitschig: Tränendes Herz, Wicken und Zinnien

Und dann gibt es noch solche Blumen, die einfach nur umwerfend romantisch oder herrlich kitschig sind: das tränende Herz mit seinen pink-weißen, herzförmigen Blüten. Die zarte Wicke, die jeden noch so drögen Zaun mit süßem Parfüm umhüllt. Oder die pastellfarbenen Kosmeen mit ihren gefiederten Blättern.

Zinnien und Ball-Dahlien erstrahlen wie papierne Lampions in knalligem Rot, Pink und Orange. Pfingst- oder Bauernrosen bezaubern ebenfalls mit bunten Blütenbällen, während Rittersporn, Fingerhut und Stockrose mit ihrem aufrechten Wuchs tolle Akzente setzen. Ganz bescheiden kommen dagegen Sonnenhut und Margeriten daher, doch auch sie gehören unbedingt dazu. Denn ob kugelig oder kerzenförmig, raffiniert oder simpel, feuerrot oder zartlila: Es ist die Mischung, die dem Bauerngarten seinen unbeschwerten, lebendigen Charme verleiht.

Gut zu wissen: Viele klassische Bauerngarten-Blumen sind unkompliziert im Anbau, sind mehrjährig oder säen sich selbst aus. Was für die alten Bauersleute wichtig war – immerhin war das Gärtnern für sie kein Hobby – kommt auch uns entgegen. Denn dann bleibt mehr Zeit für andere Dinge, zum Beispiel für die Pflege der Gemüsebeete.  

Gemüse: Pastinake und Pak Choi      

Im Bauerngarten findest du alle wichtigen Gemüsesorten für den Hausgebrauch: zum Beispiel Kartoffeln und Möhren, Tomaten und Gurken aber auch Kohl und Wintergemüse. Nun hat sich unser Speiseplan im Laufe der Zeit natürlich geändert, und mediterrane oder exotische Gerichte haben die klassische Hausmannskost ein Stück weit verdrängt. Gärtner sollten sich also frei fühlen, das zu pflanzen, was später auch gerne auf den Teller kommt. Wer es stilecht haben möchte, kann allerdings einige alte Gemüsesorten einbinden: Pastinaken, Topinambur, Mairüben oder Wilde Rauke liegen voll im Trend – und bieten echte Geschmackserlebnisse.  

Kräuter im Bauerngarten: von alten Klöstern inspiriert

Wer durch die Literatur über Bauerngärten blättert, stößt unweigerlich auf die Geschichten von den Klostergärten des Mittelalters. Aus ihnen stammt ein Gutteil des bäuerlichen Wissens über die Heilwirkung bestimmter Kräuter wie Schafgarbe und Johanniskraut, Frauenmantel, Melisse oder Kamille.

Ob Heil- oder Würzkraut: Im Bauerngarten sind Kräuter ebenfalls Teil einer funktionierenden Mischkultur. So locken Dill und Koriander blattlausfressende Schwebfliegen an. Beet-Einfassungen aus Petersilie, Lavendel oder Thymian bilden mit ihrem Aroma ein wirkungsvolles Bollwerk gegen hungrige Schnecken. Und Schafgarbe kann sogar Mehltau an Gurken verhindern.

Einen Bauerngarten anlegen

Von den alten Klostergärten inspiriert ist auch die räumliche Gestaltung eines typischen Bauengartens. Ein Wegkreuz unterteilt ihn in vier Beete. Mittig ist ein mit Rosen oder Ähnlichem bewachsenes Rondell angeordnet, während die Beete selbst nicht selten durch niedrige Buchsbaumhecken begrenzt werden. All das muss natürlich nicht sein. Allerdings macht es durchaus Sinn, dem Bauerngarten eine gewisse Struktur zu geben. Das hilft, den Überblick zu bewahren und eine gesunde Fruchtfolge einzuhalten. Unverzichtbar fürs Pflanzen, Pflegen und Ernten sind ausreichend und gut begehbare Wege, die zum Beispiel aus Rindenmulch gestaltet werden können. Ansonsten sind der Kreativität bei der Gestaltung des Bauerngartens aber keine Grenzen gesetzt. Wer pflanzt, was einem selbst schmeckt oder optisch gefällt, der hat mit Sicherheit sehr lange Freude daran.

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