Folie und Vlies für frühere Ernten

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Zur früheren Ernte von Gemüse kann man mit Erfolg Flachfolien oder Vlies einsetzen. Die Aussaat allerdings richtet sich nach den Boden- und Witterungsbedingungen und wird deshalb kaum früher sein können. Doch wenn die Folie oder das Vlies direkt nach der Saat aufgelegt werden, keimt und wächst das Gemüse erheblich schneller als ohne Bedeckung.

Die Ränder von Folien und Vlies können entweder eingegraben oder mit Brettern und Steinen beschwert werden. Abgerundete große Kieselsteine eignen sich besser als scharfkantige, die das Material leicht einreißen. Als noch praktischer erwiesen hat sich das Beschweren mit kleinen Plastiksäckchen, die vorher in ausreichender Zahl mit Erde oder Sand gefüllt und zugebunden wurden. Durch die abgerundete, geschmeidige Form der Säckchen kommt es nicht so leicht zu Rissen oder sonstigen Beschädigungen der Ränder des Vlies.

Ob Folien oder Vlies zu bevorzugen sind, ist jeweils im Einzelfall zu erwägen. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Materialien sind deshalb hier kurz aufgeführt.

  1. Lochfolie

Vorteile:

  • gut lichtdurchlässig
  • warmes Treibhausklima wird unter ihr ziemlich schnell erreicht
  • schützt die Pflanzen gut vor Kälte und Wind
  • ziemlich reißfest

Nachteile:

  • Folien mit weniger als 500 Löchern pro qm lassen nicht genug Feuchtigkeit durch; es muss zusätzlich gegossen werden, wobei die Folie jeweils zurückgeschlagen werden muss.
  • Unter der Folie bildet sich leicht Schwitzwasser, die Tröpfchen benetzen die Blätter der heranwachsenden Pflanzen und es kann leicht zu Fäulnis kommen.
  • Bei sonnigem Wetter wird es unter der Folie zu heiß und Verbrennungen treten auf; es muss gelegentlich gelüftet werden.
  1. Schlitzfolie (bei Hobbygärtnern als wachsende Folie bekannt)

Vorteile:

  • Die Schlitze sind für Regen und Luft in ausreichendem Maß durchlässig.
  • ausreichend lichtdurchlässig.
  • Beim Wachsen der Kulturen dehnen sich die Schlitze aus und wachsen mit.
  • Es kommt kaum zu Schwitzwasserbildung.
  • Auch an sonnigen Tagen kommt es nicht zu Verbrennungen.
  • Die Folie kann unbedenklich bis kurz vor der Ernte aufliegen.

Nachteile:

  • weniger reißfest.
  • anfällig gegen Sturmschäden.
  • verschmutzt leichter.
  • Da es unter der Schlitzfolie nicht so warm wird wie unter Lochfolie, ist die Ernte etwas später.
  1. Gartenvlies

Vorteile:

  • gut luft- und regendurchlässig.
  • dehnt sich unter den größer werdenden Pflanzen ebenfalls aus.
  • schirmt ähnlich wie Gemüsenetze vor Möhren-, Kohl-, Lauch- und Rettichfliegen ab, sofern die Larven nicht bereits im Boden überwintert haben.
  • keine Verbrennung an sonnigen Tagen.
  • kann bis zur Ernte aufliegen.

Nachteile:

  • weniger reißfest und sturmanfällig.
  • Amseln picken oft größere Stücke heraus zum Nestbau.
  • geringere Lichtdurchlässigkeit, jedoch ausreichend.
  • etwas spätere Ernte als bei Lochfolie (ähnlich wie bei Schlitzfolie).

Ein gemeinsamer Nachteil der Flachabdeckung überhaupt ist der starke Unkrautwuchs unter Folie und Vlies. Die Erfahrung zeigte jedoch, dass die Beete zwar schlimm aussehen unter der Abdeckung, die Kulturpflanzen aber dennoch üppig und gesund dastehen, besser als z.T. in sauber gehackten Beeten.

Im Klostergarten haben wir vor allem mit Vlies gute Erfahrungen gemacht. Abgedeckt werden kann alles, was im frühen Frühjahr gesät und gepflanzt wird: Radieschen, Rettiche, Kohlrabi, Kopf- und Schnittsalat, Möhren, Erbsen, Sä- und Steckzwiebel, Frühkartoffeln, frühe Buschbohnen, Frühkohlarten. Neben dem Gemüse werden mit gutem Erfolg auch Aussaaten von Sommerblumen mit Folie oder Vlies bedeckt und kommen dadurch eher zum Blühen. Übrigens keimen auch Herbstaussaaten unter einer Flachabdeckung schneller und sicherer.

Je nach Witterung sind ab Mitte Mai die Folien zu entfernen, weil die Temperaturen darunter leicht zu hoch werden können. Vlies kann, solange es sich noch ausdehnt, als Schutz über den Kulturen liegen bleiben. Im Sommer wird es jedoch auch unter dem Vlies oft genug zu warm und – wie bereits erwähnt – kann das Unkraut tatsächlich zum Problem werden.

Folientunnel

Eine Alternative zur Flachabdeckung ist der Folientunnel oder die Tunnelfolie. Diese kann man sich mit Hilfe einfacher Drahtbügel leicht selbst herstellen. Die Drahtbügel werden als Bögen im Abstand von 60-80 cm über ein Beet gesteckt. Dann zieht man die vorhandene Folie darüber und befestigt die Ränder mit runden Steinen oder Sandsäckchen. Die Stirn- und Kopfseite kann auf die gleiche Art befestigt werden, oder man bindet die Folienenden zusammen und kann dadurch noch etwas mehr Platz für die Pflanzen gewinnen.

Für stabilere Folientunnel, die längere Zeit stehen bleiben sollen, gibt es in Gartencentern Sets in verschiedenen Abmessungen zu kaufen.

Kulturschutznetze

Kulturschutznetze dienen zwar nicht primär der Ernteverfrühung, aber sie können zuverlässig den Madenbefall an Radieschen, Rettich, Möhren, Lauch, Zwiebeln, Petersilie und Kohl verhindern, es sei denn, die Schädlinge sind  bereits im Boden oder an Pflanzenresten vom Vorjahr vorhanden. Inzwischen sind diese Netze jahrzehntelang in der Praxis geprüft und die Vorteile noch offensichtlicher geworden. Auch für Kleingärtner lohnt sich der Einsatz solcher Netze. Sie können bei schonender Behandlung jahrelang wiederverwendet, bei Verschmutzung, leicht gewaschen werden.

Man breitet sie entweder flach über die gefährdeten Kulturen aus, gräbt die Ränder ca. 5 cm in den Boden ein und befestigt sie außerdem noch mit runden Steinen oder Sandbeuteln wie oben bei Folie und Vlies beschrieben.

Wenn die Textilien nicht auf den Pflanzen aufliegen sollen, stellt man mit Hilfe einfacher Drahtbügel einen Netztunnel her auf die gleiche Weise wie einen Folientunnel. Allerdings sollte an den Rändern das Netz eingegraben werden, damit keine Schlupflöcher für Schädlinge entstehen. Entscheidend ist, dass die Netzmaschen Luft, Licht und Regen ungehindert durchlassen. Gießen über das Netz ist problemlos möglich. Andererseits sind die Maschen so angepasst, dass sie für die besagten Gemüsefliegen nicht passierbar sind. Darüber hinaus schützt das Netz vor Kohlweißling, Kohleule, Lauchmotte, Erbsenwickler und –käfer sowie Kohldrehherzmücke. Sogar den Zuflug von  Blattläusen und Weißer Fliege kann es verhindern, vorausgesetzt, dass nicht schon mit Blattläusen befallene Jungpflanzen gesetzt wurden. Diese finden unter dem Netz natürlich ideale Bedingungen zur Vermehrung. Außerdem ist durch das Abdichten des Netzrandes die Zuwanderung von Schnecken unterbunden.

Als weiterer Vorteil ist die Verbesserung der Bodenkrümelung und Bodengare durch ausgeglichenere Klimabedingungen zu nennen. Die Saaten keimen besser, auch bei Trockenheit, und sind vor Verschlämmung und Hagelschäden sicher. Vögel und Kaninchen werden ebenfalls abgehalten. Beim Einsatz des Netzes bereits im Frühjahr ist außerdem – wenn auch nicht in dem Maße wie bei Folie und Vlies, ein Verfrühungseffekt zu beobachten. Kulturschutznetze gibt es im Gartenfachhandel und im Baumarkt.

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