Vogelmiere – ein Unkraut zum Anbeißen

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Sie ist das Leibgericht von Henne und Hahn. Wellensittich, Kaninchen und Meerschweinchen stehen drauf. Und auch auf unseren Tellern hat sie sich längst als Leckerei etabliert: die Vogelmiere. Die Argumente für das besondere Wildkraut sind so simpel wie schlagkräftig: Es schmeckt spitze und ist supergesund.

Ein kleiner Stern erobert die Welt

Ob bewusst oder unbewusst – der Vogelmiere, auch Hühnerdarm, Hustdarm oder Hühnerbiss genannt, bist du mit Sicherheit schon häufig begegnet. Ihr dichtes Kraut wächst ganzjährig zwischen fünf und 30 Zentimeter hoch. An den filigranen Stängeln trägt sie kleine, eiförmig zugespitzte Blätter. Und wenn du genau hinsiehst, entdeckst du fast das ganze Jahr hindurch einige hübsche, weiße Sternblüten.

Am besten gedeiht die Stellaria media auf stickstoffreichen Lehmböden in Sonne und Halbschatten, doch ist sie generell anspruchslos und anpassungsfähig. Als Pionierpflanze erobert sie im Handumdrehen Ecken, an denen sonst nichts wächst: Brachflächen in der Stadt, abgeerntete Äcker, die gerade Winterschlaf halten, den Unterstock-Bereich im Weinberg…tja, und schwuppdiwupp hat sie sich auch im sauber geharkten Gemüsebeet ein Plätzchen gesucht.

Stopp! Willst du das Kraut wirklich jäten? Es lohnt sich, abzuwägen: Einerseits soll es natürlich nicht deine frisch gesäten Salatpflänzchen überwuchern. Andererseits hilft der grüne Bewuchs, Feuchtigkeit in der Erde zu halten, sie vor dem Auswaschen zu schützen und er ist eine Nahrungsquelle für Insekten. Gerade an Stellen, die ohnehin kahl sind – unter Sträuchern, zwischen Mais und Tomaten – kann die Vogelmiere mehr nützen als schaden.

Vogelmiere erkennen: unverwechselbare Haarlinie

Wer neu ist in der Welt der Wildkräuter, dem mag es anfangs schwierig erscheinen, die Vogelmiere von all dem anderen grünen Gewusel am Boden abzugrenzen. Auch Brunnenkresse (größere, herzförmige Blätter) und Winterportulak (tellerförmige, fleischige Blätter) wachsen schließlich ähnlich hoch. Der verwandten Sternmiere (schmeckt nicht so gut) ähnelt sie zum Verwechseln, während der kleinblättrige Ackergauchheil (orangefarbene Blüten) sogar leicht giftig ist. 

Zum Glück gibt‘s einen Trick, um die Vogelmiere eindeutig zu bestimmen: Denn nur sie trägt am Stängel eine einzelne Reihe feiner Haare. Mit dieser durchaus flippigen „Frisur“ gelingt es dem Flachwurzler, Tautropfen zu sammeln und damit seine Wasserversorgung zu verbessern.

Fun-Facts für Angeber

Die unscheinbare Vogelmiere ist ein kleines Fortpflanzungswunder. Hättest du gewusst, was sie alles kann?

● Eine einzige Pflanze kann bis zu 20.000 winzige Samen produzieren. Diese werden dann von Wind und Regen verteilt – oder auch von Ameisen verbreitet.

● Pro Jahr reproduziert sich die Vogelmiere bis zu sechs Mal. Im Spätherbst kannst du also den Ur-Ur-Ur-Enkel jenes Pflänzchens pflücken, das du im Frühjahr im Garten hattest.  

● Im Boden bleiben die Samen angeblich 60 Jahre lang keimfähig.

Wann und wie ernte ich Vogelmiere?

Je nachdem, in welcher Region du wohnst, lässt sich die Vogelmiere durchgängig ernten. Sie wächst und blüht sogar im Winter, zumindest solange keine harten Fröste unterwegs sind. Du kannst alle oberirdischen Pflanzenteile nutzen: Blätter, Stängel, Blüten und Fruchtkugeln. Weil der Fortpflanzungszyklus so rasant vonstatten geht, ist es ohnehin unmöglich, die vegetativen Phasen voneinander abzugrenzen. Schneide bei der Ernte einfach alles zusammen büschelweise knapp über der Erde ab.

Wie verwende ich Vogelmiere in der Küche?

Geschmacklich vereint die Vogelmiere frische, erdige und leicht bittere Aromen und erinnert damit an eine Mischung aus Kopfsalat und Löwenzahn.

Egal was du draus machst: Vogelmiere solltest du stets frisch verarbeiten. Denn einmal gepflückt, verliert das knackige Kraut schnell an Biss – und an Vitaminen. Du kannst es allerdings, angefeuchtet und luftdicht in eine Box verpackt, bis zu zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Vogelmiere passt wunderbar in jede Art von Salat. Wie wäre es zum Beispiel hiermit?

Knackiger Wildkräutersalat

4 Handvoll Löwenzahn, Vogelmiere und Giersch
3 hartgekochte Eier
3 EL Sonnenblumen- oder Kürbiskerne
2 Scheiben Weißbrot

Die Kräuter gut waschen, trockentupfen und etwas klein rupfen. Das Weißbrot in würfeln und in Olivenöl anrösten. In einer weiteren Pfanne die Sonnenblumen- oder Kürbiskerne ohne Öl rösten. Abkühlen lassen. Inzwischen eine Vinaigrette aus Kürbiskernöl, Balsamico-Essig, Senf und Honig sowie Salz und Pfeffer herstellen. Nun wird die Salatsoße unter die Kräuter gemischt. Darauf werden die geviertelten Eier, die Kerne und die Croutons drapiert.

Aufs Brot, als Pesto oder Gemüse

Vogelmiere schmeckt frisch im Frühlingsquark, im Smoothie oder einfach auf ein frisches Butterbrot gestreut. Sarah Wiener serviert Eiernockerl in einem Nest aus Vogelmiere, Giersch und Brennnessel, andere Spitzenköche reichen sie zu geröstetem Mais oder „Alpen-Sushi“.

Willst du deine Ernte konservieren, kannst du die Vogelmiere zusammen mit anderen Wildkräutern (zum Beispiel Giersch, Löwenzahn, Brennnessel, Bärlauch oder Spitzwegerich) zu einem verführerischen Wildkräuter-Pesto verarbeiten. Und natürlich kannst du das zarte Wildgemüse auch dünsten wie Spinat oder ein schnelles Süppchen daraus zubereiten.

Einfache Suppe mit Vogelmiere

Aus Butter Mehl eine Einbrenne herstellen. Mit Brühe aufgießen. Etwa zwei bis drei Büschel gut gewaschene Vogelmiere hinzugeben und kurz köcheln lassen. Pürieren, Sahne hinzugeben und mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Pflück‘ dir eine Portion Gesundheit

Vogelmiere ist besonders reich an Vitamin C: Schon 50 Gramm decken den täglichen Bedarf eines Erwachsenen. Auch Vitamine A und B stecken reichlich drin, dazu Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen und das Spurenelement Selen. Kieselsäure stärkt übrigens nicht nur Fingernägel und Haare, sondern tut auch unseren gefiederten Freunden während der Mauser gut.

In der Volksheilkunde gilt die Vogelmiere als entzündungshemmend, harntreibend und den Stoffwechsel anregend. Die enthaltenen Saponine wirken darüber hinaus schleimlösend. Pfarrer Kneipp empfahl die Vogelmiere unter anderem bei Atemwegserkrankungen, Nieren- und Blasenproblemen.

Löst den Husten und reinigt den Körper

So wirkt ein frisch aufgebrühter Tee nicht nur reinigend bei der Frühjahrskur, sondern kann auch bei Husten eingesetzt werden. Als Hustentee kannst du Vogelmiere zusätzlich mit einigen Thymian- und Spitzwegerichblättern kombinieren.

Auflagen, Bäder und Salben für die Haut

Aufgelegt auf betroffene Hautstellen, als Aufguss oder angewandt als Bad wirkt Vogelmiere kühlend, antientzündlich und leicht schmerzstillend. Auflagen aus abgekühltem Tee sind wohltuend bei Insektenstichen und Augenentzündungen.

Zu Großmutters Zeiten leistete Vogelmierenschmalz gute Dienste bei Ekzemen, Schuppenflechte und kleinen Wunden. Wenn du dir deine eigene Salbe herstellen möchtest, kannst du anstelle von Schmalz zum Beispiel eine Rezeptur mit Mandelöl und Bienenwachs verwenden.

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