So entsteht mein Nutzgarten:Teil 4: Mehr Kraut als Rüben

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Von Borretsch und Basilikum über Knoblauch und Kürbis bis hin zu Zuckererbse und Zwiebel – der April war ein echter Pflanzmonat und ich habe alles gesät, was meine pralle Samen-Kiste hergab: in Töpfe, in Anzuchtschalen und natürlich auch schon direkt ins Beet. Dort grünt es nach den warmen letzten Wochen explosionsartig. 
Mangold, Sellerie, Salat und Stockrose durften ins Frühbeet umziehen, im Hochbeet sind schon die ersten Triebe von Kohlrabi und Pflücksalat zu sehen. Und seit dem Wochenende sind endlich auch die Kartoffeln unter die Erde gekommen.

Surprise, surprise: Was wächst denn da?

Allerdings ist nicht alles, was da in meinen Beeten wächst, auch so vorgesehen gewesen. Da schob sich mit aller Kraft ein Rhabarber aus dem Unterirdischen: Anscheinend war er von den Vormietern unseres Hauses gepflanzt worden. Prima, das gibt einen feinen Kuchen! Gleich daneben bildete ein weiteres Gewächs einen hübschen Blätterstern. Dabei gab es sich so viel Mühe, dass ich es wachsen ließ. Die Pimpinelle dagegen, ein Würzkraut für die typische Frankfurter Grüne Soße, wollte einfach nicht gedeihen. Stattdessen verschaffte sich dort ein Sauerampfer Platz. Auch er bekam mein Okay zum Bleiben – schließlich sorgt er für Geschmack im Salat.

RhabarberEinbürgern oder abschieben? Einwanderungspolitik im Gartenreich

Du siehst, das ist nicht unbedingt „Gartenregelkonform“, was ich hier gerade mache. Vielmehr bin ich dabei, meine eigene Migrationspolitik zu entwickeln. Da bin ich (noch) recht liberal: Bevor ein Platz frei bleibt, soll doch lieber etwas Hübsches darauf wachsen! Deshalb halte ich es im Moment so: Wer sich ohne Genehmigung im Beet niederlässt, wird zunächst geduldet: bis ich weiß, was das ist. Um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung im Beet zu erhalten, muss sich das Gewächs dann aber als besonders nützlich oder besonders hübsch erweisen – und die anderen Pflänzchen nicht stören. 

Wo ich letztendlich meine persönliche Obergrenze ziehe, das muss ich jetzt noch ausloten. Denn unbegrenzt Platz ist im Beet natürlich nicht. Das sehe ich jetzt in der Wachstumsphase, wo blitzschnell alles zuwuchert (und das Unkraut den Nutzpflanzen immer eine ganze Nasenlänge voraus ist).

Meine liebsten Beetfreunde…

In meinen ersten Gartenwochen habe ich ein paar Special Friends liebgewonnen. Das sind vor allem die Pflänzchen, die Anfängern ein schnelles Erfolgserlebnis bescheren. Wenn Du, so wie ich, grün hinter den Ohren und nicht grün am Daumen bist, dann probier’s mal mit diesen hier: 

  1. Mais! Kommt schnell und kräftig. Die Blätter haben gleich die typische Mais-Form und machen die Pflanzen im Beet gleich unverwechselbar.   
  2. Zwiebeln
    Legen wahres Formel-1-Tempo vor: Kaum gesteckt, zeigten sie schon nach ein paar Tagen das erste Grün. 
  3. Sellerie 

Unscheinbare Pflänzchen, die ganz unaufgeregt, aber stetig vor sich hin wachsen. Ganz ohne Sonderbehandlung.   

…und ein Flop

Der Salat! Ihn hatte ich schon im Februar vorgezogen, täglich gegossen und verhätschelt. Als es wärmer wurde, durfte er ins Frühbeet. Dort nahmen die grünen Sensibelchen erstmals Schaden. Wohl, weil ich sie mit Garten- und nicht mit Seidenhandschuhen angefasst hatte! Fünf Pflänzchen überlebten. Eines Morgens waren es dann noch vier. Dann drei. Dann zwei. Dann entdeckte ich die Übeltäterin: eine Baby-Nacktschnecke. In meinem Frühbeet! Ich war fast schon beleidigt. Jetzt habe ich nochmals neuen Salat gepflanzt, hoffentlich außer Reichweite: im Hochbeet.

Auf dem Kartoffelacker

Es gibt sie in rosa, blau und mit sogar mit lila Ringel: Die Auswahl an Kartoffelsorten – auch alten Sorten – ist überwältigend. Am Ende hatte ich mehr als vier Kilo bunter Knollen auf der Fensterbank stehen: zum Vorkeimen. Diese schiere Masse in meinem bescheidenen Beet unterzubringen, erwies sich allerdings als unmöglich. Obwohl ich zusätzlich Kartoffel-Pflanzsäcke besorgt hatte. Immerhin mehr als die Hälfte konnte ich letztendlich in lockere Gräben ins Beet setzen. Die Säcke habe ich eine Handbreit mit Erde befüllt, jeweils drei Kartoffeln mit Trieb nach oben hineingesetzt und etwas Erde aufgeschüttet. Bin sehr gespannt, wo die Kartoffeln letztendlich besser wachsen: Im Sack oder im Beet.

Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung: Wir haben geerntet!

Und zwar das erste Radieschen. Aus dem Kinderbeet. Rot und rund und genau so, wie ein Radieschen sein muss. Yep! Meine Kids sind happy – der erste Erfolg! Der lässt natürlich sofort vergessen, dass sich die Karotten aus dem Kinderbeet ins Nichts aufgelöst haben und stattdessen Ringelblumen wachsen. Ist jetzt einfach mal egal. Fein säuberlich haben die beiden Garten-Profis ihr teures Früchtchen in zig Teile zerlegt und stolz den Großen serviert. Stell Dir vor, sogar höchstpersönlich probiert haben sie, die kleinen Gemüse-Skeptiker. Jetzt bin ich auch happy! 

Das gibt’s in der nächsten Ausgabe:

  • Tomaten, Paprika & Co. – Pflanzen im Mai
  • 3-Schwesternbeet
  • Unkraut & Ungeziefer
  • Erste Zwischenbilanz – was klappt, was nicht, was geht besser
Natalie Frank
Natalie Frank ist 1975 geboren und schreibt als freiberufliche Texterin vor allem über Tourismusthemen. Vor Kurzem ist sie mit ihrer Familie in ein kleines Häuschen aufs Land gezogen und will sich jetzt ihren Traum vom eigenen Nutzgarten verwirklichen - gesund, bunt und bio. Doch ob alles so klappt wie geplant? Da steht eine ganze Menge Leidenschaft gegen ein Null an Gärtner-Erfahrung. Auf beetfreunde.de könnt Ihr Natalies Projekt von Beginn an mitverfolgen - und mit dabei sein, wenn im Sommer hoffentlich viel leckeres Obst und Gemüse aus eigenem Anbau geerntet werden.
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