Im Garten lassen sich nicht nur Gemüse, Obst und Kräuter ernten, nein auch Saatgut für das kommende Gartenjahr könnt ihr einfach gewinnen. Vorweg solltet ihr darauf achten, dass keine F1-Hybriden vermehrt werden. Sie werden gezüchtet, damit sie möglichst gleich im Wuchs, der Frucht und der Erntereife sind. Nehmt ihr von ihnen Saatgut ab, sind es dann F2-Hybride. Saatgut von Hybriden sind nicht samenfest. Das heißt 50% der daraus gezogenen Pflanzen wachsen in jeder Hinsicht, wie sie möchten. So hattest du in einem Jahr z.B. süßliche, mittelgroße Tomaten, aber im nächsten Jahr vom gewonnenen Saatgute längliche, schrumpelnde, neutral schmeckende Tomaten. Also lieber von alten Gemüsesorten in Demeter- und Bio-Qualität Saatgut nehmen.

Die Saatgutgewinnung teilt sich in einjährige und zweijährige Pflanzen auf. Einjährige blühen im selben Jahr und haben meist viel Saatgut. Dieses könnt ihr im Herbst nach der Blüte sammeln. Zweijährige Pflanzen blühen erst im 2. Jahr und überwintern die Zeit in den Beeten oder im Hochbeet bis sie einen Blütenstängel im Frühjahr entwickeln. Diese könnt ihr dann im Spätsommer nach der Blüte für Saatgut verwenden.

Ohne eine Befruchtung der Blüte wird natürlich kein Saatgut entstehen. Meist übernehmen das Bienen, Hummeln und andere Insekten. Tomaten könnt ihr einfach etwas am Hauptstamm schütteln, sie sind selbstbefruchtend. Die Chance der Kreuzung bei Tomaten ist sehr gering. Möchtet ihr dennoch ganz sicher gehen, könnt ihr die Blüte vor Beginn des Blühens z.B. in Organza Säckchen oder Teebeutel packen (dieses Saatgut nennt sich dann verhütetes Saatgut). Der Nachteil am Verhüten: bei nicht selbstbefruchtendem Gemüse, müsst ihr öfters Bienchen spielen und die Blüten mithilfe eines feinen Pinsels selbst befruchten.

Wichtig ist, dass das Saatgut überreif geerntet wird. Bei trockenem Saatgut wartet ihr bis die Hülle fast durchweg braun/vertrocknet ist. Feuchtes Saatgut, wie z.B. Gurken nehmt ihr erst von der Pflanze ab, wenn sie gelblich-orange sind. Feuchtes Saatgut lassen wir meist noch ein paar Tage zum Nachreifen bei Zimmertemperatur liegen. Das Gemüse ist dann nicht mehr zum Verzehr geeignet. Es empfiehlt sich immer die ersten Früchte oder Blüten für die Saatgutgewinnung zu nutzen. Sie sind die kräftigsten und die schnellsten Früchte im Ausreifen. Es bleibt ihnen genug Zeit, um in die Überreife zu kommen.

Ein- und zweijähriges Gemüse

EinjährigZweijährig
BlumenkohlBlaukraut/ Rotkohl
BohnenChinakohl
BrokkoliKarotten / Möhren
ChiliLauch/Porree
ErbsenRote Beete
FenchelSpitzkohl
KürbisWeißkohl
PaprikaZwiebeln
Physalis
Radieschen
Rucola
Spinat
Tomaten
Zucchini
Zuckermais

Bei der Vermehrung von Zucchini und Kürbissen solltet Ihr unbedingt darauf achten, nicht in unmittelbarere Nähe Zierkürbisse anzubauen, da diese sich kreuzen können. Wenn dies der Fall ist, schmeckt das Gemüse durch Cucurbitacin bitter und es kann zu Vergiftungserscheinungen führen. Nicht essen!

Trockenes Saatgut gewinnen

Hierzu zählt das Saatgut, welches in der Blüte entsteht. Radieschen bilden kleine längliche Hülsen. Zwiebeln kleine ballonähnliche Kapseln. Mangold und Rote Beete bilden kleine perlenförmige Samen am Blütenstängel. Erbsen und Bohnen reifen in ihrer Hülle an der Pflanze aus, bis sich die Hülle verfärbt. Dann könnt ihr die Samenstände und die Schoten von der Pflanze abnehmen.  Unserer Erfahrung nach ist es besser, das Saatgut ein paar Tage im Haus nachtrocknen zu lassen. Natürlich nicht hängend, sondern liegend auf einer Schale. Nach dem Trocknen könnt ihr das Saatgut heraustrennen, manchmal reicht schon ein wenig schütteln. Stängel oder getrocknete Blätterreste können Krankheiten übertragen, deshalb so gut es geht entfernen.

Erbsen-Samen (Foto: Theresia Kleinert)

Feuchtes Saatgut gewinnen

Hier handelt es sich um Saatgut, das von einem feuchten Milieu umgeben ist. Wie z.B. bei den Gurken, Zucchini, Kürbis, Tomaten. Diese Samen trennt ihr aus dem Fruchtfleisch heraus, spült sie unter kaltem fließendem Wasser ab und trocknet sie auf einem Kaffeefilter (dort kleben die Samen nicht so fest, wie auf Küchenpapier).

Bei Tomaten oder Physalis empfiehlt es sich, die Samen 2-3 Tage in etwas Wasser einzulegen. Die geleeartige Hülle löst sich besser vom Saatgutkern ab. Oben schwimmende Samen sind nicht keimfähig, die könnt ihr gleich aussortieren. Dann nochmal unter fließendem Wasser abwaschen und gut trocknen lassen. Tomatensamen sind bis zu 10 Jahre keimfähig.

Samen der Zitronengurke (Foto: Theresia Kleinert)

Brutzwiebeln

Wenn du Knoblauch blühen lässt, entwickelt er sogenannte Brutzwiebeln. Diese kannst du trocknen und im Herbst in deine Beete stecken. Lasse immer ein paar Zehen fürs nächste Jahr im Beet. Knoblauch entwickelt mehr Zehen, je länger er in der Erde ist.

Natürlich könnt ihr auch zahlreiches Saatgut von Wildblumen und Wildkräuter für das nächste Gartenjahr sammeln z.B. Ringelblumen, Borretsch, Jungfern im Grünen, Stockrosen oder Malven. Traut euch und versucht es einfach aus.

Lagerung

Die optimale Lagerung von Saatgut ist dunkel, kühl und trocken. Die Raumtemperatur sollte um die 8 Grad haben. Bewahrt ihr euer Saatgut in kleinen Folientütchen auf dann legt einfach ein paar Reis Körnchen dazu. Sie ziehen die Feuchtigkeit und vermeiden Schimmelbildung. Kaffeefilter oder Papiertütchen sind besser zur Aufbewahrung geeignet. Vergesst nicht den Namen und das Erntejahr mit auf die Verpackung zu schreiben.

Wir wünschen dir viel Spaß beim Saatgut sammeln 😊

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