Theorie und Praxis sind ja bekanntlich nicht dasselbe. Nach der Zeit des Planens und dem Schwelgen in blühenden Gartenphantasien wurde es jetzt ernst: Würde ich es schaffen, die ersten Keimlinge zu ziehen? Schon im Februar hatte ich Samen in der Anzuchterde versenkt und die Töpfe auf die Fensterbank gestellt: Paprika, Chili und Salat. Im März folgten Petersilie, Koriander, Sellerie, Mangold und Stockrose. Und weil ich es nicht mehr aushalten konnte, habe ich gleich draußen weitergemacht und auf einer provisorischen Fläche (das Beet war noch nicht hergerichtet) Spinatsamen gesät.

Keimling Mangold

Klar, dass das die Kinder auf den Plan rief: Sie wollten endlich mit ihrem Kinderbeet loslegen. Ich half ihnen, den Boden zu lockern und Rillen zu ziehen. Hinein streuten sie abwechselnd Karotten– und Radieschen-Samen. Nach der anfänglichen Streiterei, wer zuerst ran darf, nahm der Elan aber schnell ab und es machte mehr Spaß, das Beet rundum mit Stöcken zu bewehren: damit ja niemand hineinträte.

Aller Anfang ist schwer oder der Krimi auf der Fensterbank

Dann kam der Kälteeinbruch. War es etwa doch zu früh gewesen, draußen zu säen? Während das Beet unter der Schneedecke nochmals in Tiefschlaf versank, spielte sich im Haus ein kleiner Krimi ab. Ja, ich sage bewusst Krimi, denn für mich als Neuling waren die vergangenen Wochen wirklich aufregend. Vielleicht ist es Dir bei Deinen Anfängen ja ganz ähnlich gegangen?

Da war die Sache mit dem Salat. Er streckte als Erster seine grünen Ärmchen aus der Erde. Super, dachte ich. Doch er wuchs und wuchs und wuchs, dabei stand er schon am kältesten Platz im Haus. War das jetzt schon das „Vergeilen“ von dem ich gelesen hatte? Was sollte ich tun? Ich quartierte Pflänzchen in den kalten Schuppen aus – und die Wachs-Wut war zum Glück gestoppt.


Dann das: Schimmel! An Paprika und Chili. Überall, und über Nacht. Ich hatte die Anzuchttöpfchen laut Anleitung schön warm und feucht gehalten. Das ging eine Zeitlang gut – bis zu dem Morgen, als ich die weiße Flaumschicht entdeckte. Ich war verzweifelt. Glaubte, als Gärtnerin schon jetzt gescheitert zu sein. Dann tauschte ich die schimmligsten Töpfchen aus, setzte die Plastikhaube ab und ließ das Gießen erstmal sein. Und tatsächlich verschwand der Schimmel wieder. Uff, was für eine Aufregung.
Und noch ein drittes Mal ging‘s fast schief: Die Sonne schien erstmals kräftig vom Himmel. Eine Wohltat, die ich auch meinen Keimlingen zukommen lassen wollte. Ich stellte die Anzuchttöpfchen in den Garten. Doch schon kurz darauf bot sich ein schlimmes Bild. Alle platt! Das war der Tiefpunkt. Meine Familie schimpfte mit mir. Was war passiert? Zu viel Sonne? Zu kalt? Zu wenig Wasser? Vielleicht eine Kombination aus Allem. Doch abermals hatte ich Glück und das Mini-Grün erholte sich. Ich verstand jetzt: Die zarten Pflänzchen sind wie kleine Babys, die gerade am Anfang eine ganz behutsame Pflege brauchen.

Danach lief’s besser. Gut, sogar. Und schön anzusehen. Jede Sorte hat ihre ganz eigene Art, zu wachsen – und jedes einzelne Pflänzchen ist ein Wunder der Natur. Der Sellerie wächst blitzschnell. Ein Teamplayer der Koriander, der jeweils Zweier-Paare bildet. Ein kleiner Akrobat dagegen der Mangold: Viele Triebe stemmen eine vergleichsweise riesige Samenkapsel nach oben – man könnte meinen, sie spielten damit Ball. Die Regenbogen-Mischung, die ich gesät habe, hat übrigens jetzt schon tolle Farben.

Vor ein paar Tagen habe ich die jungen Pflänzchen per Löffelstiel pikiert. Das ging überraschend gut, wenn auch wenn etwas Fummelei gefragt war. Jetzt können die Minis in ihren großen Töpfen erwachsen werden.

Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here