So entsteht mein Nutzgarten Teil 9: Genießerzeit

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Nutzgarten

Plötzlich ist die Garten-Ampel auf gelb gesprungen: Während Sonnenblume, Goldrute und Topinambur fröhlich-grell herüberwinken, scheinen die Lampionblumen mit ihrem Knall-Orange zu signalisieren: Jetzt ist bald Schluss hier.
Und tatsächlich hat sich mein Beet still und heimlich auf Herbst umgestellt. So abrupt hatte ich das nicht erwartet. Dachte vielmehr, der Garten würde nach den anstrengenden Hitze-Wochen wieder auf Touren kommen. Pferdemist, Guano und Ackerschachtelhalm-Extrakt sollten den Gemüse-Turbo so richtig anfachen. Aber jetzt? Motor einfach aus: Die Gurkengewächse sind platt, der Mais vertrocknet und die Mini-Melonen im Zeitplan hoffnungslos hinterher. Okay, Tomaten, Paprika und Chili wachsen noch. Trotzdem fühle ich mich ziemlich brutal ausgebremst in meinem Garten-Flow. 

Von mir aus hätte es immer so weiter gehen können: gießen – schauen, wie’s wächst – ernten. Das war Gärtnern in der Komfortklasse. Doch nun ist klar: Da kommt erstmal nix mehr. Und wenn ich möchte, dass dieses (und nächstes!) Jahr Neues gedeiht, muss ich wieder selbst aktiv ans Steuer, ausmisten und neu pflanzen.

Wann ist Zeit, Schluss zu machen? 

Überhaupt frage ich mich gerade, wann so ein Gemüseleben zu Ende ist. Zum Beispiel bei der Zucchini. Wie eine Luftballon-Maschine pustet sie ein langes gelbes Früchtchen nach dem anderen auf – wenn auch viel langsamer als im Juli. Schön sieht die überbordende alte Dame dabei nicht aus. Mit ihren schimmelweißen Blättern hat sie das komplette Hochbeet in Beschlag genommen und sämtliche Mitbewerber aus dem Rennen um den Platz an der Sonne geworfen. Die Karotten: gerade mal kinderkaufladengroß. Der Sellerie: verkümmert und ohne Knolle. Der Chicoree: gar nicht erst angetreten. Was also tun – raus mit der Zucchinipflanze? Und vor allem: Was jetzt noch rein? 

NutzgartenWas jetzt noch pflanzen? 

Im September gibt es nicht mehr vieles zu säen. Das habe ich beim Blick auf meinen Aussaatkalender erschrocken bemerkt. Schade, denn Platz gäb’s jetzt genug. So habe ich auf dem ehemaligen Kartoffelbeet ein paar großzügige Samenreihen gezogen:

– Feldsalat
Radieschen
– Rettich und
Winterheckenzwiebeln  

Ein gutes Gefühl war es, schon mal Erdbeerpflänzchen zu setzen. Damit starte ich gleich durch in die nächste Saison (mir kribbelt es schon im Bauch, wenn ich daran denke.)! Von einigen Gemüsen habe ich außerdem die Samen getrocknet. Wie das geht, kannst Du hier nachlesen.

Kahlschlag im Urwald

Dort, wo wilde (und wildgewordene) Stauden immer größere Bereiche meines Beetes in Beschlag genommen haben, habe ich mich zum Kahlschlag durchgerungen. Es bringt nichts, wenn jeder dort wachsen darf, wo er möchte. Nachdem ich die Wurzeln entfernt hatte, säte ich hier Bitterlupinen als Gründüngung. Ich glaube nämlich, meine Pflanzen brauchen im nächsten Jahr mehr Powernahrung. Dann will ICH mal meinen Nachbarn neidisch machen. Der hatte diesmal nämlich viel größere Gurken ☺.

Jetzt mal einen Gang runterschalten

Eigentlich ist es gar nicht schlecht, wenn sich der Lauf der Dinge im Spätsommer verlangsamt. Dann ist die Zeit da, sich zurückzulehnen und einfach mal das Gute zu genießen.

Eine meiner persönlichen Garten-Entdeckungen des Jahres ist der Mangold mit seinem kräftigen Geschmack. Am liebsten mag ich ihn mit ordentlich viel Knoblauch, wie in diesem kroatischen Rezept „Blitva“. Dafür brauchst Du:

● 400 g Kartoffeln (ich habe meine roten genommen)
● 800 g Mangold (lieber mehr als weniger)
● 1 Zwiebel
● viel Knoblauch
● viel Olivenöl, dazu Salz und Pfeffer

Kartoffeln schälen, vierteln und in Salzwasser weich kochen. Mangoldblätter längs halbieren und in breite Streifen schneiden. In einer Pfanne Zwiebeln und Knoblauch in viel Öl andünsten, Mangold dazugeben und mitdünsten, bis er zusammenfällt. Die fertigen Kartoffeln mit dem Mangold vermischen und leicht quetschen. Salzen und pfeffern. Schmeckt als Beilage zu Fisch oder auch einfach so.

Wir freuen uns schon mal auf Halloween

Ich glaube, in diesem Jahr war einfach alles früher reif. Meine Kürbisse, Hokkaido und Butternut habe ich schon geerntet und Verschiedenes damit ausprobiert. Wenn Du auch schon mal einen Vorgeschmack auf Halloween bekommen magst – bitteschön: 

Es gibt Süßes: Kürbis-Milch-Dessert

● 500 g Butternut-Kürbis
● 200 ml Milch
● 100 g Zucker
● 2 TL gemahlenen Kardamom

Den Kürbis schälen, stückeln und etwa 7 Minuten lang weich kochen lassen. Dann mit Milch, Zucker und Kardamom nochmals etwa 10 Minuten lang kochen, Kürbis dabei quetschen, sodass eine gleichmäßige, halbfeste Masse entsteht. Kann warm oder kalt gegessen werden.

…und Saures 

Ein beetfreunde-Beitrag rund um das Haltbarmachen der eigenen Ernte hat mich dazu inspiriert, Gemüse einzulegen: Kürbis süßsauer, Gemüse in Essig oder, was ich besonders interessant fand: 

Milchsauer eingeleger Kürbis

● 1,5 kg Kürbis
● 1 Liter Wasser
● 50 g Salz
● 100 g Knoblauch
● 3 EL grob gemahlene Senfkörner
● 3 EL gemahlener Pfeffer

Den Kürbis in etwa 2 cm große Würfel schneiden und in Wasser weich kochen (ca. 7 Minuten). Herausnehmen und abkühlen lassen. Das Wasser mit Salz aufkochen und ebenfalls abkühlen lassen. Den Knoblauch grob zerdrücken und mit den Gewürzen ins Wasser geben. Kürbiswürfel in einem sauberen Glas mit Bügelverschluss aufschichten. Gewürzwasser aufgießen, so dass das Gemüse bedeckt ist (dieses notfalls mit einem Stein oder Glas beschweren). Vorsicht, blubbert! Deshalb den Deckel während des Gärprozesses (4-10 Tage) nur lose verschließen.  

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