So entsteht mein Nutzgarten – Teil 6: Halbzeit-Analyse

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Nutzgarten

Unglaublich, wie die Zeit dahinfliegt! Es ist Juni und die erste Garten-Halbzeit ist schon wieder rum. Der richtige Moment, um eine Verschnaufpause zwischen Erdbeer- und Erbsenernte einzulegen und zu analysieren: Wie habe ich mich bisher geschlagen? Naja, ich würde sagen: jedenfalls besser als die deutsche Elf in den ersten 45 Minuten gegen Mexiko! In meinem Beet blüht es kunterbunt, es duftet, und die meisten meiner über 40 gepflanzten Obst-, Gemüse und Blumensorten gedeihen prima. Ich habe mir keine groben Schnitzer erlaubt, wie Jogis Jungs in der Abwehr und mein Beet erfolgreich gegen Unkraut und Schnecken verteidigt. 

Zoomen wir in der Analyse etwas näher heran, zeigen sich aber doch taktische Schwächen. Und es tritt ein generelles Problem zutage: Ich bin eine Pfuscherin. Das war ich schon immer und ich fürchte, das wird sich auch nicht ändern. Im Garten ist es aber besser, nicht zu pfuschen, sondern ordentlich zu arbeiten – einfach, weil man sich dann viel Arbeit erspart. 

Hier also meine zehn wichtigsten Garten-Lehren:

1. Ein Garten braucht Wege

Es müssen ja keine Autobahnen aus Waschbeton sein. Ein Gärtner braucht aber vernünftige Wege, um überall heranzukommen, ohne unterwegs schon die halbe Ernte zu zertreten. Wer olympiareife Dreisprünge über bierdeckelgroße Holzscheiben hinlegen muss, um zwei Erdbeeren zu pflücken, hat auf Dauer keine Freude. Gartenwege

2. Nicht zu früh loslegen

Vor lauter Vorfreude auf mein erstes Gartenjahr habe ich schon im Februar mit dem Vorziehen begonnen und im März draußen gesät. Einen wirklichen Vorsprung hat mir das nicht gebracht. Im Gegenteil: Die Karotten sind im späten Frost möglicherweise erfroren, jedenfalls habe ich nie ein Kräutchen von ihnen gesehen. Die Salatpflänzchen hingegen habe ich über Wochen hinweg täglich zwischen Sonne und Schatten, Wärme und Kälte hin-  und herjongliert – das war im Rückblick ziemlich aufreibend und ich lief permanent Gefahr, die Sache in einem unbedachten Moment zu verbocken.  

3. Genügend Material vorrätig haben

Besonders beim Einkauf von Anzuchttöpfen und Erde sollte man lieber gleich zur Großpackung greifen. Ich habe aus Not oft drei Samen in die kleinen Töpfchen gepresst. Später war es fast unmöglich, das Wurzelgewirr auseinanderzubekommen. Einfacher und sauberer ist es, einen Samen pro kompostierbarem Topf zu pflanzen. Der kann später einfach nach draußen in die Erde. 

4.  Auf die Profis hören

Es macht durchaus Sinn, gängige Gartenratschläge zu beachten: Konsequent in Reihen zu pflanzen zum Beispiel (und nicht schnell noch ein paar übrige Samen dazwischen streuen). Das hilft, Unkraut ausfindig zu machen.  

5. Bitte Abstand halten

Das bisschen Platz, das ich zur Verfügung hatte, wollte ich bestmöglich nutzen. Deshalb habe ich mich grundsätzlich nicht an die empfohlenen Reihenabstände gehalten. Merke jetzt: Das bringt wenig. Denn wenn die Pflanzen zu eng stehen, entwickeln sie kleinere Früchte.  

Kohlrabi

6. Sand für kleine Samen

Hast Du Sand bei der Hand? Hatte ich manchmal nicht, mit dem Ergebnis, dass meine Lauch-Reihen jetzt so eng gesät sind, dass an ein Vereinzeln gar nicht zu denken ist (mal davon abgesehen, dass ich da nicht richtig herankomme, siehe Punkt 1). Also: Zu Beginn der Saison irgendwo einen Eimer Sand hinstellen. Dann kann man kleine Samen vor dem Ausstreuen großzügig damit mischen.

7. Den Platz nicht überschätzen

Zu Beginn der Gartensaison sehen die kleinen Pflänzchen im Beet etwas verloren aus. Doch irgendwann macht es „wooosh“ und man steht plötzlich bis zum Hals im Kraut. Deshalb: Nicht zu viel pflanzen und vor allem dem Kürbis viel Platz lassen. 

8. Ein Hochbeet ist ein Hochbeet…

…und eine Fläche von 2 x 1 Meter wird auch dann nicht größer, wenn darunter viel fruchtbare Erde liegt. Deshalb gilt der Punkt mit dem Überschätzen insbesondere fürs Hochbeet. In meinem sind Kohlrabi, Möhren, Salat, Sellerie und Zucchini drin und das Beet platzt förmlich aus allen Nägeln. 


9. Im Zweifel fürs Vorziehen

Unschlagbarer Vorteil beim Vorziehen: Man sieht, was da wächst und kann das Kleinkraut beschützen, bis es ein wenig stärker ist. Klar: Schnellwachsende Pflanzen wie Kürbis oder Bohnen schaffen es auch ohne Schützenhilfe. Mir ist es aber auch schon passiert, dass ich etwas direkt in die Erde gesät, dort aber vergessen und somit auch nicht gegossen habe. Die Kamille wiederum habe ich herausgezupft, im Glauben, es sei Unkraut. 

10. Sich auch mal überraschen lassen

Manchmal laufen die Dinge eben anders. In meinem Beet sind Pfefferminz und Rhabarber gewachsen, Sauerampfer, Königskerze und bunte Stauden, dazu Unmengen an Ringelblumen. Ohne dass ich das alles gepflanzt hätte. Ist doch schön! Die Natur hat viele gute Ideen und  ich glaube, ich würde eine Menge verpassen, wenn ich alles bis ins letzte Detail kontrollieren wollte. 

Koenigskerze

Jetzt geht’s weiter: Anpfiff zur zweiten Halbzeit
Ein Kommentator würde jetzt vermutlich bilanzieren, dass meine bisherige Performance durchaus okay war, aber ich nicht ganz auf Weltmeister-Niveau gespielt habe. Das hat unsere Nationalelf in ihrem ersten Spiel ja auch nicht. hatte. Und wenn ich dann meinem zweijährigen Sohn dabei zusehe, wie er mit seinem Fußball quer durch den Garten saust und dabei lauthals „Boaaateng“ und „Tooor“ kräht, bin ich eigentlich ganz optimistisch, dass wir Erfolg haben werden. Im Garten und bei der WM.

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Natalie Frank
Natalie Frank ist 1975 geboren und schreibt als freiberufliche Texterin vor allem über Tourismusthemen. Vor Kurzem ist sie mit ihrer Familie in ein kleines Häuschen aufs Land gezogen und will sich jetzt ihren Traum vom eigenen Nutzgarten verwirklichen - gesund, bunt und bio. Doch ob alles so klappt wie geplant? Da steht eine ganze Menge Leidenschaft gegen ein Null an Gärtner-Erfahrung. Auf beetfreunde.de könnt Ihr Natalies Projekt von Beginn an mitverfolgen - und mit dabei sein, wenn im Sommer hoffentlich viel leckeres Obst und Gemüse aus eigenem Anbau geerntet werden.

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