So entsteht mein Nutzgarten: Teil 8: Hot, hot summer

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Nutzgarten

Höllisch heiße Wochen haben mein Gartenparadies zum Glühen gebracht. Während Tomaten, Bohnen und Mais schnell unter der sengenden Sommersonne reifen, heizen uns die ersten selbst geernteten Chilis ein: Habanero, Jalapeño und Lanterna de foc entfachen wahre Feuer am Gaumen.

Chili Den filigranen Chili-Pflänzchen macht das extreme Wetter der letzten Wochen aber genauso zu schaffen wie den übrigen Beetbewohnern. Mir tut es richtig weh, zu sehen, wie sie alle am Nachmittag ihre Blätter hängen lassen. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, worunter sie mehr leiden: unter der Trockenheit oder unter meiner Art zu gießen.

Lieber Fußbad als Dusche: Auch Gießen will gelernt sein

Bei dieser Hitze finde ich es herrlich, vor dem Zubettgehen nochmal unter die kühle Brause zu springen. Den Pflanzen gefällt so etwas jedoch gar nicht, das habe ich schnell gemerkt. Gurke, Kürbis und Zucchini haben auf meine abendliche Berieselung gleich mit gelben Blättern oder weißlichen Belägen reagiert. Also habe ich ausprobiert, wie es besser geht. Was alle Pflanzen gut finden, ist eine satte Portion lauwarmes Gießkannenwasser am Morgen. Weil’s nicht genug regnet, fülle ich die Regentonne immer wieder mit Leitungswasser auf. So kann es ein bisschen abstehen. Beim Gießen achte ich darauf, dass die Blätter selbst nicht nass werden. Außerdem hat mir auch der Artikel „Gießen im Sommer“ weitergeholfen.

Frühreif: die Kartoffelernte

Meine liebe Mama ist eine echte Weltmeisterin im Rouladen-Kochen, Röcke-Kürzen und Bilder-gerade-Aufhängen. Beim Gärtnern dagegen hat sie, wie ich auch, so ein paar Schwächen. Bei ihrem letzten Besuch wollte sie mir helfen, Unkraut zu zupfen. Was sie da aus der Erde zog, waren allerdings Kartoffelpflanzen– mitsamt einer ansehnlichen Zahl hübscher Knollen unten dran. Wir waren überrascht über die frühe Kartoffelreife (weniger über den mütterlichen Garten-Faux-Pas). Und weil ohnehin schon ein paar Pflanzen umgefallen waren und gelb wurden, zogen wir einen Teil der Ernte kurzerhand vor.

KartoffelErst später las ich, dass man damit warten soll, bis das Grün komplett abgestorben war. Für die Kinder war‘s jedenfalls eine Riesen-Gaudi: Wie im Goldrausch buddelten sie in der Erde und jubelten heroisch, wenn sie wieder auf eine Gruppe der goldenen Nuggets gestoßen waren. Leider, leider waren aber viele Knollen von Larven angefressen. Einen der Übeltäter ertappte sogar auf frischer Tat beim Festmahl. Das war schon eklig, aber in einem Naturgarten geht es wohl nicht anders. 

Kartoffel mit Larve

Was wir aus unserer Überraschungs-Ernte (natürlich ohne Larve) machten? Zum Beispiel diesen Kartoffelsalat mit „bunten“ Kartoffelsorten. Weil er so schön pastellfarben ist, nenne ich ihn:

Damen-Kartoffelsalat
● ca. 1 kg verschiedenfarbige Kartoffeln (z.B. Blauer Schwede, Rote Emmalie, Violetta)
● 1 Zwiebel
● 5 saure Gurken
● 3 Radieschen
● 1 Ei
● etwas Brühe
● Senf, Essig, Öl, Salz und Pfeffer

Zwiebeln, Gurken, Ei, Radieschen klein Würfeln, zusammen mit dem Senf, Essig, Salz und Pfeffer in eine Schüssel geben. Die aufgekochte Brühe dazugeben. Inzwischen die Kartoffeln mit der Schale kochen. Noch heiß pellen, in Scheiben schneiden und in die Schüssel mit der Marinade geben. Wer möchte, kann kleine Speckwürfel hinzugeben. Ein paar Stunden ziehen lassen.

Geerntet. Und was jetzt?

Die Ringelblumen abgeblüht, Zwiebeln, Kohlrabi und ein Teil der Kartoffeln geerntet: Plötzlich war da eine beängstigende Leere in den Beeten. Darauf war ich nicht vorbereitet. Was jetzt noch pflanzen? Wirklich schon Wintergemüse, so wie es die Gartenratgeber empfehlen? An den Winter wollte ich jetzt noch nicht denken. Also säte ich Buschbohnen aus, Radicchio, setzte vorgekeimten Mangold und kleine Salatpflänzchen ein. 

ZwiebelnAn ein paar besonders heißen Tagen gab es wenig bis nichts zu ernten, so dass ich nach der ganzen Euphorie der letzten Wochen schon fast in Panik geriet. Dann bemerkte ich aber, dass sich im Hintergrund immer etwas tut, finde mal eine fette Gurke unter dem Blättergrün, erwische die Feuerbohnen beim Versteckspiel am Tipi oder ist auf einmal eine ganze Handvoll Tomaten reif. Auch läuft die Produktionsmaschine Zucchini mit stoischer Ruhe weiter. Mich in Geduld üben, das muss ich beim Gärtnern wohl noch lernen.  

Die neue Übersichtlichkeit im Beet öffnete mir aber auch die Augen für Krankheiten und Problemchen meiner liebgewonnen Pflanzen:  

● Der Kürbis: Wunderschön wächst der Kürbis übers Werkstatt-Dach. Doch jede Pflanze hat bisher erst einen Kürbis hervorgebracht, während die neuen Blüten alle absterben. Liegt’s an der Hitze?

● Die Johannisbeer-Sträucher bekommen immer mehr braune, verwelkte Blätter.

● Die Tomaten: Die Blätter haben einen leichten Gelb-Stich, andere bekommen gelbbraune Stellen.  Zu viel Wasser? Zu wenig Dünger?

● Der Weinstock: Die Blätter haben einen weißen Belag, die meisten Trauben sind dahin. Ist das Mehltau, und wenn, echter oder falscher? Die vielen Trauben werden wir dieses Jahr nicht essen können. 

Hast Du ähnliche Probleme? Oder einen Ratschlag für mich? Dann freue ich mich über Deinen Kommentar! 

Dafür habe auch ich zum Schluss noch einen saftigen Garten-Tipp zum Anbeißen: Ich habe eine Pfirsichbaum gepflanzt. Mit Pfirsichen dran, die jetzt reif werden. Schmecken herrlich süß wie Fruchtgummis!

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