Hirschhornwegerich (Platango coronopus)

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(Bild: Klaus Lang)

Die große Familie der Wegeriche (Plantaginacea) ist kein Geheimtipp unter denen, die sie schon länger kennen und schätzen. Sie ist nicht nur als Heilpflanze und Salatersatz bekannt, sie ist auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für viele Insektenarten.

Diese Wildpflanzen wachsen eigentlich überall, aber leider sind sie in Gärten als Unkraut nicht gerne gesehen und fallen in der freien Natur oder an den Wegesrändern ebenfalls oft dem Ordnungswahn oder dem Rasenmäher zum Opfer. Im Mittelalter gab es fast keinen Klostergarten ohne Wegeriche und Hildegard von Bingen wusste ebenfalls die Kraft der grünen Wegelagerer zu schätzen.

Kulturbegleitkraut für den Garten

Da nicht jeder den Verbreitungsdrang der Wegeriche zu schätzen weiß, gibt es diesen nahen Verwandten, der zwar nicht so viele Heilkräfte wie seine wilden Verwandten besitzt, der aber gut als Nutz- und Heilpflanze im Garten angesiedelt werden kann und bei dem sich das Ernten mehr lohnt!

Da die Blätter wie ein kleines Hirschgeweih aussehen, trägt er den deutschen Namen Hirschhornwegerich. Weitere Namen wie: Ziegenbart oder Krähenfußwegerich sind auch nicht unpassend . Er hat schmale gezahnte Blätter, die rosettenartig wachsen und eine Länge von bis zu 25cm erreichen.. Seine Rosette bildet sich aus einer langen Pfahlwurzel, die nicht nur den Boden lockert, sondern auch dafür sorgt, dass der Wegerich relativ frostunempfindlich ist. In sehr kalten Wintern sollte man die Pflanzen mit etwas Laub oder Reisig bedecken. Die immergrünen Pflanzen leiden sonst unter Frosttrocknis.

Frosttrocknis
Immergrüne Pflanzen verdunsten bei Sonnenschein über die Blätter Flüssigkeit. Diesen Wasserverlust können sie bei gefrorenen Boden nicht ausgleichen. Dadurch verdursten sie und sterben im schlimmsten Fall ab. Beschattung verhindert dieses Problem!

Seine Heimat ist ursprünglich der Mittelmeerraum in dem auch heute noch gerne die jungen Blätter und Blüten gegessen werden. Dort trägt die Pflanze den Namen: Mönchsbart/ Barba di Frate und wird gerne in Meeresnähe kultiviert, was den Blättern noch einen besonderen Geschmack verleiht. Die jungen Blätter inklusive Stengeln serviert man roh oder gedünstet als Anti-Pestosalat, zu Pasta oder Fisch.

Ebenso nutzbar sind auch die nicht ausgereiften Blütenknospen. Sie sind ein leckerer Ersatz für Nüsse und schmecken leicht pilzig. Eine weitere Einsatzmöglichkeit sind die ausgereiften Hirschhornwegerichsamen, die wie Flohsamen (Sand- oder Strauchwegerich/ Platago psyllium) genutzt werden können.

Standort und Pflege

Ob Garten oder Balkon, der Wegerich fühlt sich fast überall wohl! Er benötigt viel Sonne, kann aber auch an halbschattigen Stellen kultiviert werden. Da diese Pflanzen mehrjährig sind und Pfahlwurzeln bilden, ist ein tiefer und nährstoffreicher, nicht zu trockener Boden/Topf optimal.

Es sind alles selbstständige Pflanzen, die sich gerne und viel vermehren, wenn man die Blütenknospen ausreifen und versamen lässt.

Die bis zu 25 cm hohen Pflanzen lassen sich auch gut als alternative, essbare Beetbegrenzung für Gemüsebeete einsetzen und werden durch regelmäßige Ernten in Form gehalten.

Hirschhornwegerichsalat

  • 2-3 handvoll Hirschhornwegerich (Blüten und Blätter)
  • 1 handvoll Rucola oder wilde Rauke (Blüten und Blätter)
  • 2 Birnen
  • 1 Zwiebel
  • Oliven
  • etwas Parmesan

Dressing:
Aceto, Olivenöl, Pfeffer, Salz und einige Borretschblüten

Ernte und Lagerung

Die jungen Blätter, Blüten und Samen können frisch verarbeitet und gegessen werden. Eine Lagerung durch Trocknung ist möglich, aber da die Blätter fast ganzjährig zur Verfügung stehen, ist es nicht unbedingt nötig.

Ältere Blätter schmecken leicht bitter und ähneln in der Zubereitung Spinat. Jüngere Blätter inklusive Stiel sind kurz angedünstet oder roh eine echte Delikatesse (s.o). Die Blüten erscheinen von Juni bis Oktober und ausgereifte Samen können gut getrocknet und gelagert werden.

Leckeres Winterpesto

Wenn vorhanden:
Grünkohl, Hirschhornwegerich, Winterportulak,wilde Rauke, Barbarakresse, Knoblauchgrün,
Oregano/ wilder Dost, Olivenöl und ggf noch eine Zwiebel (für die Winterernte aus dem Garten eignen sich Etagenzwiebeln).

Schmeckt lecker zu und auf warmen Nudeln!

Aussaat

Die Samen werden im Freiland an Ort und Stelle im Abstand von ca. 25 cm ausgesät. Wenn man große Pflanzen und Blätter ernten möchte, dann sollte dieser Abstand unbedingt eingehalten werden. Kleinere und zartere erntet man auch in dichteren Reihen, die dann öfters „aufgesssen“ werden sollten.

Inhaltstoffe

Calcium, Vitamin A, Vitamin B2

Insektenfreundlichkeit

Leider gibt kaum Berichte ob der Hirschhornwegerich genauso vielen Insekten und Raupen als Futterpflanze dient wie der Spitzwegerich. Vielleicht hat es sich bei den Gartenbewohnern auch einfach noch nicht herumgesprochen und wer auf Nummer sicher gehen möchte, findet bestimmt für beide ein Plätzchen.

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